Thomas Fartmann | Biodiversität und Landschaftsökologie

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Aktuelles

Weihnachtsbaumkulturen im Sauerland haben gro√üe Bedeutung f√ľr Rote-Liste-Arten

Rote-Liste-Arten, Goldammer, Weihnachtsbaumkulturen
Goldammer (Emberiza citrinella)

[04. Dezember 2017] Der systematische Anbau von Weihnachtsb√§umen in Mitteleuropa ist ein recht junges Ph√§nomen. Aktuell betr√§gt die Anbaufl√§che von Weihnachtsb√§umen im Sauerland, dem wichtigsten europ√§ischen Anbaugebiet, etwa 18.000 ha. Im Rahmen einer aktuellen Studie haben wir umfassend untersucht, wie es um die Avifauna dieses neuartigen √Ėkosystems steht. Die Ergebnisse belegen deutlich, dass Weihnachtsbaumkulturen in der intensiv genutzten Landschaft des Sauerlandes einen hohen Wert als Lebensraum f√ľr gef√§hrdete Brutvogelarten haben. Im Vergleich zu konkurrierenden Landnutzungstypen, wiesen Weihnachtsbaumkulturen gemeinsam mit Windwurffl√§chen die gr√∂√üte Diversit√§t und die h√∂chsten Dichten gef√§hrdeter Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens auf. So konnten f√ľr die Rote-Liste-Arten Goldammer, Fitis, Bluth√§nfling, Heidelerche und Baumpieper mitunter hohe Dichten in den Weihnachtsbaumkulturen nachgewiesen werden. Im Fall der Heidelerche sind die Vorkommen in Weihnachtsbaumkulturen sogar von landesweiter Bedeutung. Ein Beitrag im aktuellen Heft des Journals f√ľr Vogelbeobachter – Der Falke liefert eine anschauliche Zusammenfassung der Ergebnisse unserer Untersuchungen. Die Studie wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef√∂rdert.

Fartmann, T., K√§mpfer, S. & F. L√∂ffler (2017): Wichtige Bruthabitate f√ľr Rote-Liste-Arten: Weihnachtsbaumkulturen im Hochsauerland. Der Falke 64 (12): 20–23.

Veränderung der Wirtspflanzenqualität fördert zwei häufige Tagfalterarten Mitteleuropas

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Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

[06. November 2017] Ein aktuell publizierter Artikel in der internationalen Fachzeitschrift Acta Oecologica belegt, dass Schmetterlingsarten die sich von Brennnesselgew√§chsen ern√§hren, von der exzessiven Stickstoffanreicherung in landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaften profitieren k√∂nnen. Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) und das Tagpfauenauge (Aglais io) z√§hlen zu den wenigen Schmetterlingsarten, die trotz der massiven √∂kologischen Ver√§nderungen im Zuge des Landnutzungswandels in Mitteleuropa weiterhin sehr h√§ufig sind. In der experimentellen Studie, die in Kooperation mit der Universit√§t Potsdam federf√ľhrend von unserer externen Masterstudierenden Susanne Kurze durchgef√ľhrt wurde, konnte gezeigt werden, dass Individuen beider Arten an ged√ľngten Wirtspflanzen durch h√∂here √úberlebensraten, eine schnellere Larvalentwicklung, sowie ein h√∂heres Gewicht der Puppen gekennzeichnet waren. Die Imagines von Aglais io wiesen zudem l√§ngere Vorderfl√ľgel auf. Die Auswirkungen der D√ľngung erh√∂hen somit die √úberlebenswahrscheinlichkeit und das Reproduktionspotenzial beider Schmetterlingsarten. Unsere Ergebnisse legen dar, dass sich nicht nur die Ausbreitung von Brennnesseln durch die zunehmende Eutrophierung, sondern auch Ver√§nderungen in der Wirtspflanzenqualit√§t positiv auf die mitteleurop√§ischen Best√§nde der beiden Tagfalterarten auswirken k√∂nnen.

Kurze, S., Heinken, T. & T. Fartmann (2017): Nitrogen enrichment of host plants has mostly beneficial effects on the life-history traits of nettle-feeding butterflies. Acta Oecologica 85: 157–164. doi: doi.org/10.1016/j.actao.2017.11.005

Positives Fazit nach Besuch der Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G)

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Alte Eichenallee in der extensiv genutzten Agrarlandschaft der Prignitz

[06. Oktober 2017] Franz L√∂ffler wurde auf der 150. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) f√ľr seinen Tagungsbeitrag „Auswirkungen der Landschafts- und Vegetationsstruktur auf eine stark gef√§hrdete Vogelart der Agrarlandschaft“ mit dem 3. Preis im Jungreferenten-Wettbewerb ausgezeichnet. Die diesj√§hrige Jubil√§umstagung fand unter dem Motto „Ornithologie – von der Vergangenheit in die Zukunft“ in Halle (Saale) statt. Viele Tagungsbeitr√§ge besch√§ftigten sich mit den Auswirkungen des Landnutzungswandels und des Ausbaus regenerativer Energiequellen auf die mitteleurop√§ische Avifauna. Dabei zeigen die dramatischen Bestandseinbr√ľche der Feldv√∂gel in Mitteleuropa exemplarisch auf, welche Folgen die fortw√§hrende Intensivierung der Landwirtschaft f√ľr die Biodiversit√§t in Agrarlandschaften hat. Mit dem Beitrag zu den Habitatpr√§ferenzen des Ortolans (Emberiza hortulana) konnte die zwingende Notwendigkeit agrarpolitischer Ma√ünahmen f√ľr eine naturschutzgerechte, zukunftsf√§hige und sozial-gerechte Landwirtschaft noch einmal unterstrichen werden. Gleichzeitig konnte Steffen K√§mpfer mit seinem Tagungsbeitrag zur Bedeutung von „Weihnachtsbaumkulturen als Ersatzlebensraum f√ľr bedrohte Vogelarten der Agrarlandschaft“ in bemerkenswerter Weise verdeutlichen, dass auch intensiv genutzte, neuartige √Ėkosysteme wie Weihnachtsbaumkulturen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversit√§t leisten k√∂nnen. Aufgrund des geringen √∂kologischen Kenntnisstandes der Aviz√∂nosen dieses Lebensraums und der aus Sicht des Vogelschutzes √ľberraschend positiven Ergebnisse wurden wir im Anschluss an seinen Tagungsbeitrag dazu eingeladen unsere Forschungsergebnisse in einem Beitrag im Journal f√ľr Vogelbeobachter – Der Falke einer breiten √Ėffentlichkeit zug√§nglich zu machen.

Habitatqualit√§t, Fl√§chengr√∂√üe und Konnektivit√§t – Grundlagen f√ľr einen erfolgreichen Artenschutz

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Kurzfl√ľgelige Bei√üschrecke (Metrioptera brachyptera)

[04. September 2017] Ein aktuell erschienener Artikel in der Fachzeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung liefert einen umfassenden √úberblick, welche Faktoren f√ľr einen erfolgreichen Artenschutz ber√ľcksichtigt werden m√ľssen. Der Landnutzungswandel ist verantwortlich f√ľr Degradierung, Verlust und Fragmentierung vieler Habitate Mitteleuropas mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversit√§t. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht der Artikel, dass sowohl die Habitatqualit√§t als auch Fl√§chengr√∂√üe und Konnektivit√§t dar√ľber entscheiden, ob die Artenvielfalt langfristig erhalten werden kann. Zudem steht der Klimawandel zunehmend im Fokus des Naturschutzes. Beispielsweise werden f√ľr die Kurzfl√ľgelige Bei√üschrecke (Metrioptera brachyptera) und den Schl√ľsselblumen-W√ľrfelfalter (Hamearis lucina) infolge des erh√∂hten Austrocknungsrisikos in Kalkmagerrasen starke Bestandseinbr√ľche prognostiziert. Auch wenn Metrioptera brachyptera √ľber l√§ngere Zeit in stark isolierten Habitaten √ľberdauern kann, ist zuk√ľnftig mit einem weiteren R√ľckgang der Art zu rechnen, da die Larvalentwicklung der Art an eine ausreichende Feuchtigkeit in ihren Habitaten gekn√ľpft ist. Aufgrund des hohen Vertrocknungsrisikos der Wirtspflanze Primula veris im Fr√ľhjahr, sind auch die Vorkommen von Hamearis lucina in den Kalkmagerrasen einiger Regionen Mitteleuropas zunehmend bedroht. Auch wenn die Art bedingt in der Lage ist durch Risikostreuung bei der Eiablage auf diese Gefahr zu reagieren, wird eine Anpassung an die zuk√ľnftigen Klimabedingungen durch die geringe Mobilit√§t der Art und fehlende Ausweichhabitate stark eingeschr√§nkt. Folglich sollte der Naturschutz in Zeiten des globalen Wandels in seinen Bem√ľhungen zum Arten- und Biotopschutz auf eine Erh√∂hung der Habitatqualit√§t und -heterogenit√§t innerhalb der Habitate, eine Vergr√∂√üerung der Fl√§chengr√∂√üe und eine Verbesserung der Konnektivit√§t abzielen.

Fartmann, T. (2017): √úberleben in fragmentierten Landschaften – Grundlagen f√ľr den Schutz der Biodiversit√§t Mitteleuropas in Zeiten des globalen Wandels. Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (9): 277–282.

Heuschrecken profitieren von traditioneller Landnutzung in Buckelwiesen

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Buckelwiese in den Bayerischen Kalkalpen

[16. August 2017] Die traditionelle Landnutzung hat in Mitteleuropa erheblich zur Entstehung artenreicher √Ėkosysteme beigetragen. Die Buckelwiesen im bayerischen Alpenraum sind Zeugnis einer √ľber Jahrhunderte fortw√§hrenden Heuwiesennutzung und weisen zudem geomorphologisch bedingt eine hohe Habitatheterogenit√§t auf. Durch die j√§hrliche Sensenmahd und den Verzicht auf D√ľngemittel, haben sich auf den Buckelfluren artenreiche Lebensgemeinschaften etabliert, die hervorragend an die n√§hrstoffarmen Standortbedingungen angepasst sind. Jedoch ist im Laufe des letzten Jahrhunderts in Folge von Aufforstung oder Einebnung der Buckelwiesen die Ausdehnung dieses Lebensraumtyps im Alpenraum um √ľber 95% geschrumpft. Die verbliebenen Fl√§chen haben jedoch bis heute eine herausragende Bedeutung f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t und sind charakteristischer Bestandteil der Kulturlandschaft im n√∂rdlichen Alpenraum. Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung konnte nun gezeigt werden, dass Heuschrecken von der Heterogenit√§t der Buckelwiesen und der traditionellen Bewirtschaftung profitieren. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insbesondere das Vorkommen gef√§hrdeter Arten von der Mahdnutzung beg√ľnstigt wird. Aber auch kurzfristig brachgefallene Best√§nde, die nur in unregelm√§√üigen Abst√§nden genutzt werden, f√∂rdern die Diversit√§t der Buckelwiesen. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen damit die Bedeutung des Fortbestands der traditionellen Landutzung f√ľr den Erhalt der Artenvielfalt in dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment ver√∂ffentlicht:

L√∂ffler, F. & T. Fartmann (2017): Effects of landscape and habitat quality on Orthoptera assemblages of pre-alpine calcareous grasslands. Agriculture, Ecosystems and Environment 248: 71–81. doi: 10.1016./j.agee.2017.07.029

Masterabsolventin mit Jacob-Jacobi-Preis f√ľr besten Studienabschluss geehrt

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Preisträgerin Susanne Kurze und Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus)

[08. August 2017] Mit dem Jacob-Jacobi-Preis wird allj√§hrlich der beste Studienabschluss an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakult√§t der Universit√§t Potsdam ausgezeichnet. Der diesj√§hrige Preis wurde an unsere externe Masterabsolventin Susanne Kurze verliehen. Susanne Kurze hat ihr Masterstudium in √Ėkologie, Evolution und Naturschutz an der Universit√§t Potsdam mit der Bestnote abgeschlossen. In ihrer Masterarbeit mit dem Titel „More losers than winners – Response of common butterflies and moths to host plant fertilisation“ untersuchte sie den Einfluss von landwirtschaftlich ged√ľngten Futterpflanzen auf verschiedene, in Mitteleuropa weit verbreitete Schmetterlingsarten. Der untersuchte Zusammenhang fand in der Wissenschaft bisher kaum Ber√ľcksichtigung, obwohl die Abh√§ngigkeit der Schmetterlinge von der Qualit√§t ihrer Wirtspflanzen seit Langem bekannt ist. In ihren Untersuchungen konnte sie zeigen, dass die Entwicklung der Mehrheit der untersuchten Schmetterlinge durch die D√ľngung negativ beeinflusst wird. Dies gilt insbesondere f√ľr Arten die sich von Gr√§sern oder Sauerampfer ern√§hren. So zeigten z.B. die Raupen des Braunen Feuerfalters (Lycaena tityrus) bereits bei einer D√ľngermenge von unter 100 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr erh√∂hte Mortalit√§tsraten. Da die Stickstoffraten in Mitteleuropa vielerorts √ľber diesem Wert liegen, kann mit diesem Zusammenhang eine Ursache f√ľr den R√ľckgang der Art in Mitteleuropa belegt werden. Positive Effekte waren lediglich f√ľr Arten die sich von Brennnesselgew√§chsen ern√§hren zu verzeichnen. Die drastische Zunahme der atmosph√§rischen Stickstoffeintr√§ge infolge der landwirtschaftlichen Intensivierung, gilt als eine der Hauptgef√§hrdungsursachen f√ľr die Biodiversit√§t und verschiedene √Ėkosystemfunktionen. Das Thema der Arbeit hat damit eine hohe Relevanz f√ľr den Erhalt der biologischen Vielfalt in intensiv genutzten Agrarlandschaften.

Buddeln für die Artenvielfalt – Ökosystemingenieure fördern die Biodiversität im Grasland

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Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)

[03. August 2017] Das Vorkommen vieler konkurrenzschwacher und thermophiler Arten im Grasland ist an das Vorhandensein geeigneter Mikrohabitate mit einem hohen Offenbodenanteil gekoppelt. Beispielsweise nutzen viele Schmetterlingsarten Offenbodenhabitate bevorzugt als Larvalhabitat, da derartige Strukturen ein g√ľnstiges Mikroklima aufweisen und gleichzeitig das Vorkommen der Wirtspflanzen f√∂rdern. Jedoch ist im produktiven oder verbrachten Grasland häufig ein Mangel an solchen Störstellen festzustellen, sodass die Bestände störungsabhängiger Arten in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten teils drastisch zurückgegangen sind. Häufig stellen in solchen Beständen die von bodenstörenden Ökosystemingenieueren, wie z.B. Ameisen und Maulwürfen, geschaffenen Störstellen die einzigen Offenbodenhabitate dar. Deshalb ist der Einfluss dieser Organismen auf die Biodiversität von besonderem Interesse. Im Rahmen mehrerer aktueller Studien konnte am Beispiel von Pflanzen und Schmetterlingen die besondere Bedeutung der √Ėkosystemingenieure f√ľr die Artenvielfalt in mitteleurop√§ischen Grasland-√Ėkosystemen aufgezeigt werden. Ein aktuell erschienener Artikel in der wissenschaftlichen Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung gibt einen umfassenden √úberblick √ľber die Ergebnisse der Untersuchungen.

Streitberger, M. & T. Fartmann (2017): Bodenst√∂rende √Ėkosystem-Ingenieure im mitteleurop√§ischen Grasland und ihre Bedeutung f√ľr die Biodiversit√§t. Eine Analyse am Beispiel der Gelben Wiesenameise und des Europ√§ischen Maulwurfs. Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (8): 252–259.

Homepage zur nachhaltigen Renaturierung von Kalkmagerrasen geht online

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Artenreiche Schlagflur im Projektgebiet (Diemeltal)

[18. Juli 2017] Auf der Projekthomepage des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens: „Nachhaltige Renaturierung von Kalkmagerrasen in Zeiten des Globalen Wandels“ informieren wir Sie ab sofort regelmä√üig √ľber unsere projektbezogenen Forschungstätigkeiten. In dem Vorhaben, das vom Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums f√ľr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert wird, sollen in Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern zahlreiche Kalkmagerrasen renaturiert und die Auswirkungen der Ma√ünahmen mit modernen wissenschaftlichen Methoden evaluiert werden. Dabei erproben und entwickeln wir in unserem Projektgebiet Verfahren, die auch in anderen Gebieten erfolgreich angewandt werden können. Aktuell f√ľhren wir ökologische Untersuchungen durch, deren Ergebnisse als Grundlage f√ľr die nachfolgenden Renaturierungsma√ünahmen dienen sollen. Unter anderem wird dabei anhand verschiedener Indikatorgruppen die Entwicklung bereits entbuschter Kalkmagerrasen evaluiert. Damit die Auswirkungen der Renaturierungsma√ünahmen bewertet werden k√∂nnen, ist es zudem wichtig den Zustand der Flora und Fauna vor Durchf√ľhrung der Ma√ünahmen zu kennen. Deshalb wird in der Vorstudie der Ist-Zustand der zu renaturierenden Probeflächen erfasst. Als Untersuchungsobjekte dienen dabei Pflanzen, Tagfalter, Heuschrecken und Zikaden.

Neue Studie √ľber Zikaden unterstreicht die Bedeutung der Strukturvielfalt in Silikatmagerrasen

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Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata)

[24. Juni 2017] Die Grasland-√Ėkosysteme Europas sind in zunehmendem Ma√üe gef√§hrdet. Insbesondere die landwirtschaftliche Intensivierung, aber auch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen haben in Mitteleuropa zu einem gravierenden R√ľckgang der Artenvielfalt gef√ľhrt. Jedoch bestehen gleichzeitig f√ľr einige Artengruppen erhebliche Wissensdefizite, welche Umweltfaktoren die Diversit√§tsmuster entscheidend beeinflussen. Der Wissensstand √ľber die √Ėkologie von Zikaden ist bis heute unzureichend. Diese Modellgruppe eignet sich aufgrund ihres Artenreichtums und ihrer sehr spezifischen Umweltanspr√ľche jedoch hervorragend f√ľr naturschutzfachliche Bewertungen. Im Rahmen unserer Untersuchungen konnten wir nun zeigen, dass sich die Habitatheterogenit√§t und die Strukturvielfalt der umgebenden Landschaft positiv auf die Artenzahl der Zikaden in Silikatmagerrasen auswirken. Im Gegensatz dazu wiesen die Habitate, die zu einem gr√∂√üeren Anteil von √Ąckern umgeben sind, eine geringere Artenvielfalt auf. Die Ergebnisse unserer Untersuchungen unterstreichen damit die Bedeutung strukturreicher Kulturlandschaften f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t in Mitteleuropa. Die Studie ist in der internationalen Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment erschienen:

Helbing, F., Fartmann, T., Löffler, F. & D. Poniatowski (2017): Effects of local climate, landscape structure and habitat quality on leafhopper assemblages of acidic grasslands. Agriculture, Ecosystems and Environment 246: 94–101. doi: 10.1007/s11252-017-0677-y

Amphibien profitieren von Regenr√ľckhaltebecken im urbanen Raum

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Laubfrosch (Hyla arborea)

[28. Mai 2017] Die Urbanisierung gilt als eine der Hauptursachen f√ľr den globalen Biodiversit√§tsverlust und hat zu einem R√ľckgang vieler Amphibienarten beigetragen. In einer nun ver√∂ffentlichten Studie wurde untersucht, ob sich urbane Regenr√ľckhaltebecken als Habitat f√ľr Amphibien eignen. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Gew√§sser trotz ihrer oft stark isolierten Lage g√ľnstige Habitatbedingungen f√ľr Amphibien bereitstellen. Durch das regelm√§√üige Management der Regenr√ľckhaltebecken bieten diese gute Voraussetzungen f√ľr die Larvalentwicklung der Arten. Zum langfristigen Erhalt der Amphibienpopulationen in urbanen Gebieten, sollte jedoch eine Erh√∂hung der Konnektivit√§t der Gew√§sser angestrebt werden. Unter diesen Voraussetzungen k√∂nnen Regenr√ľckhaltebecken einen wichtigen Beitrag f√ľr den Biodiversit√§tsschutz in St√§dten leisten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Urban Ecosystems erschienen:

Holtmann, L., Philipp, K., Becke, C. & T. Fartmann (2017): Effects of habitat and landscape quality on amphibian assemblages of urban stormwater ponds. Urban Ecosystems 20: 1249–1259. doi: 10.1007/s11252-017-0677-y

Berufung in den Redaktionsbeirat des Journal of Insect Conservation

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Titelbild des Journal of Insect Conservation

[13. Mai 2017] Prof. Dr. Thomas Fartmann wurde in den Redaktionsbeirat der Fachzeitschrift Journal of Insect Conservation berufen. Das Journal ist eine der international f√ľhrenden entomologischen Zeitschriften und ver√∂ffentlicht die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zur Biodiversit√§t und zum Schutz von Insekten und nah verwandten Artengruppen. Auf Grund des drastischen Biodiversit√§tsverlustes, besteht heute weltweit dringender Forschungsbedarf zur Entwicklung geeigneter Ma√ünahmen f√ľr den Schutz von Insekten und ihren Habitaten. Eines der Hauptziele der Zeitschrift ist es deshalb, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung und den praktischen Naturschutz st√§rker zu verkn√ľpfen. Mit der Berufung in das Editorial Board wird Thomas Fartmann f√ľr √ľber 100 entomologische Publikationen und seine langj√§hrigen Forschungsarbeiten im Bereich √Ėkologie und Naturschutz gew√ľrdigt.

Forschungsf√∂rderung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft f√ľr Promotionsvorhaben


Sumpfohreule (Asio flammeus)

[26. April 2017] Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) unterst√ľtzt das Promotionsvorhaben unseres Doktoranden Steffen K√§mpfer mit zus√§tzlichen Sachmitteln. In dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef√∂rderten Vorhaben werden umfassende Analysen zum Bruterfolg, zu den Habitatpr√§ferenzen und zur Raumnutzung der Sumpfohreule auf den Ostfriesischen Inseln durchgef√ľhrt. Im Rahmen der Untersuchungen werden u.a. radiotelemetrische Verfahren eingesetzt. Dabei werden nestjunge Sumpfohreulen mit Sendern ausgestattet und ihre Bewegungsmuster durch automatische Telemetriestationen erfasst. Auf diese Weise k√∂nnen Verhaltensweisen wie Rast, Nahrungssuche und Ortsver√§nderungen innerhalb einer Insel, aber auch Ortswechsel z.B. auf eine benachbarte Insel oder das Festland registriert werden. Die Bewegungsmuster der Eulen k√∂nnen wichtige Hinweise zu m√∂glichen Gef√§hrdungsursachen der Art liefern. Mit den nun bewilligten Mitteln sollen zus√§tzliche Telemetriesender angeschafft werden um in der Studie statistisch m√∂glichst aussagekr√§ftige Ergebnisse zu erzielen.

Totholzanreicherung fördert Gastropoden in montanen Buchenwäldern


Totholzreiche Buchenwälder fördern Artenvielfalt

[24. April 2017] Auch wenn Schnecken nicht zu den holzbewohnenden Organismen gez√§hlt werden, profitieren sie von totholzreichen W√§ldern. In einer experimentellen Studie konnte nun gezeigt werden, dass Totholzanreicherung in montanen W√§ldern zu einer erh√∂hten Aktivit√§tsdichte der Gastropoden f√ľhrt. Die Untersuchung im Rahmen der Bachelorarbeit von Tobias Kirchenbaur zeigt einen deutlichen Anstieg der Schneckenaktivit√§t mit zunehmender N√§he zu Totholz. Die Menge an Totholz war insbesondere in schattigen W√§ldern von entscheidender Bedeutung f√ľr die Gastropoden. Die Studie unterstreicht die Bedeutung von Totholz f√ľr die Biodiversit√§t in den W√§ldern Mitteleuropas. Der Erhalt und die F√∂rderung naturnaher W√§lder sollte deshalb st√§rker in den Fokus der Forstwirtschaft r√ľcken. Der Artikel ist in der Fachzeitschrift Forest Ecology and Management erschienen:

Kirchenbaur, T., Fartmann, T., Bässler, C., Löffler, F., Müller, J., Strätz, C. & S. Seibold (2017): Small-scale positive response of terrestrial gastropods to dead-wood addition is mediated by canopy openness. Forest Ecology and Management 396: 85–90.

DBU f√∂rdert Forschungsvorhaben zum Schutz von Bergheide-√Ėkosystemen


Bergheide-√Ėkosysteme – Lebensraum von internationaler Bedeutung

[03. April 2017] Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) f√∂rdert ein Projekt zur Optimierung der Management- und Renaturierungsma√ünahmen von Bergheide-√Ėkosystemen. Bergheiden haben eine gro√üe Bedeutung f√ľr den europ√§ischen Artenschutz und tragen zugleich zur regionalen touristischen Wertsch√∂pfung bei. Der internationalen Bedeutung dieses Lebensraumtyps steht ein drastischer Fl√§chenr√ľckgang im letzten Jahrhundert gegen√ľber. Trotz langj√§hriger Versuche zum Management und zur Renaturierung von Bergheiden im Rothaargebirge bestehen weiterhin Wissensdefizite, insbesondere zu einer zielf√ľhrenden Renaturierung von Bergheiden. In dem Projekt werden in enger Zusammenarbeit von Naturschutzpraxis und Forschung L√∂sungen f√ľr bestehende Managementkonflikte in den Bergheiden des Rothaargebirges und Konzepte f√ľr die Wiederherstellung ehemaliger Heidestandorte erarbeitet. In Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern evaluieren wir den Erfolg durchgef√ľhrter Management- und Renaturierungsma√ünahmen. Anhand der Ergebnisse wissenschaftlich fundierter Studien werden Methoden zum langfristigen Erhalt von Bergheide-√Ėkosystemen im Rothaargebirge entwickelt.