[09. Juli 2026] Sandheiden bieten zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen unverzichtbaren Lebensraum. Viele Heideflächen leiden heute jedoch unter fehlender oder unzureichender Pflege. Die Folge sind überalterte Bestände mit dichter Vegetation und geringer Strukturvielfalt. Für viele lebensraumtypische Arten verschlechtern sich dadurch die Bedingungen zunehmend. In einer in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation veröffentlichten Studie wurden am Beispiel der Heuschrecken vier Managementvarianten mit überalterten Heidebeständen in der Lüneburger Heide verglichen, in denen zuvor mindestens fünf Jahre lang kein Management erfolgt war. Untersucht wurden traditionelle Pflegeverfahren wie Heidebrand und Heidemahd sowie neuartige mechanische Managementvarianten, die mit traditionellen Verfahren kombiniert wurden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Varianten hinsichtlich Vegetationsstruktur und Heuschreckengemeinschaften. Besonders günstige Bedingungen entstanden nach dem Brennen mit anschließender Bearbeitung der Flächen mittels Scheibenegge. Die Kombination aus offenen Bodenstellen, niedrigwüchsiger Vegetation und einem kleinräumigen Mosaik unterschiedlicher Strukturen führte zu einer hohen Habitatvielfalt, die sich in den höchsten Artenzahlen und Individuendichten der Heuschrecken widerspiegelte. Ähnlich gute Habitatbedingungen wurden nach einer Heidemahd mit anschließendem Entmoosen festgestellt. Altheiden mit hohen, dichten Heidebeständen und geringer Strukturvielfalt wiesen hingegen nur eine geringe Bedeutung als Lebensraum für Heuschrecken auf. Die neuartigen Pflegemaßnahmen verbessern die Lebensbedingungen für Heuschrecken auf unterschiedliche Weise: Sie schaffen rohbodenreiche Standorte mit warmem Mikroklima, das insbesondere für Eiablage und Larvalentwicklung vieler heidetypischer Arten entscheidend ist. Zudem erhöhen sie die Strukturvielfalt, die für Arten essenziell ist, die im Lebenszyklus auf unterschiedliche Mikrohabitate angewiesen sind. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sowohl die Bearbeitung mit der Scheibenegge nach dem Heidebrand als auch das Entmoosen nach der Heidemahd zum Erhalt früher Sukzessionsstadien beitragen und sinnvolle Ergänzungen des traditionellen Heidemanagements darstellen. Beide Maßnahmen zeichnen sich durch vergleichsweise geringe Kosten aus und unterscheiden sich damit von traditionellen, mechanischen Pflegevarianten wie Plaggen und Schoppern. Die neuartigen Verfahren können somit künftig einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in Sandheiden leisten und sollten auch in anderen Heidegebieten verstärkt in das Habitatmanagement einbezogen werden.
Brüggeshemke, J. & T. Fartmann (2026): Novel methods of heathland management promote grasshopper diversity and abundance. Global Ecology and Conservation 69: e04317. doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04317
[03. Juli 2026] Schmetterlinge, insbesondere Tagfalter, zählen zu den ökologisch am besten untersuchten und zugleich am stärksten gefährdeten Tiergruppen. Da sich die Eier nicht aktiv fortbewegen können und es natürlicherweise oft lange dauert, bis die Raupen schlüpfen, kommt der Auswahl geeigneter Eiablageorte durch die Weibchen eine besondere Bedeutung für den langfristigen Fortbestand der Populationen zu. Dementsprechend werden insbesondere seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend Eiablagehabitate und -präferenzen von Schmetterlingen im Freiland untersucht. In vielen dieser Arbeiten wird die Bedeutung spezifischer mikroklimatischer Bedingungen an den Ablageorten der Eier betont. Eine aktuelle Übersicht zur Bedeutung des Mikroklimas für die Eiablage von Schmetterlingen fehlte jedoch bislang. In einer in der Fachzeitschrift Biological Reviews veröffentlichten Studie wurde nun eine systematische Literaturauswertung zu diesem naturschutzfachlich besonders relevanten Thema durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 90 Arbeiten zu 67 Schmetterlingsarten ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass in fast 90 % der Studien das Mikroklima eine entscheidende Rolle für die festgestellten Eiablagepräferenzen spielte. Der überwiegende Teil der verfügbaren Arbeiten behandelte gefährdete Tagfalterarten der gemäßigten Breiten. Für diese Artengruppe waren vor allem mikroklimatisch warme Mikrohabitate von zentraler Bedeutung. Bedingt durch Stickstoffeinträge, den früheren Beginn der Vegetationsentwicklung aufgrund des Klimawandels und oft unzureichende Bewirtschaftung sind derartige Lebensräume heutzutage oft ein Mangelfaktor in unserer Landschaft. Insgesamt zeigt die Studie, dass der Erhaltung und Schaffung früher Sukzessionsstadien sowohl im Offenland als auch im Wald eine hohe Priorität im Naturschutz zukommt.
Braem, S., Fartmann, T. & H. van Dyck (2026): Microclimate-based oviposition site selection in butterflies and moths. Biological Reviews 188: 115052. doi.org/10.1002/brv.70182
[01. Juli 2026] Der Vergleich historischer und aktueller Daten ist ein wichtiges Instrument, um langfristige Veränderungen von Ökosystemen sichtbar zu machen. Insbesondere die oft schleichenden Folgen von Landnutzungs- und Klimawandel lassen sich dadurch über mehrere Jahrzehnte hinweg nachvollziehen. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Ecological Indicators nutzte diesen Ansatz, um die Entwicklung von Heuschreckengemeinschaften im Feuchtgrünland zu untersuchen. Dafür wurden mehr als 100 Feuchtgrünlandstandorte in Deutschland erneut kartiert, die bereits 20 bis 35 Jahre zuvor untersucht worden waren. Die Ergebnisse deuten zunächst auf eine positive Entwicklung hin: Die Gesamtzahl der Heuschreckenarten ist auf vielen Flächen gestiegen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Vor allem weit verbreitete und mobile Generalisten profitieren von den veränderten Umweltbedingungen, während gefährdete und wenig mobile Spezialisten deutlich zurückgehen. Gleichzeitig ähneln sich die Artengemeinschaften verschiedener Feuchtgrünlandflächen immer stärker – ein typisches Zeichen einer fortschreitenden biotischen Homogenisierung. Als wichtigste Treiber dieser Veränderungen identifizierte die Studie zunehmende Sommertrockenheit, hohe Stickstoffeinträge aus der Atmosphäre sowie die Aufgabe extensiver Bewirtschaftungsformen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Artenzahl allein kein verlässlicher Indikator für den ökologischen Zustand eines Lebensraums ist. Aussagekräftiger ist die Zusammensetzung der Heuschreckengemeinschaften, die Veränderungen der Biodiversität zuverlässig widerspiegelt. Um die biologische Vielfalt im Feuchtgrünland langfristig zu erhalten, sind ein hoher Grundwasserstand und eine kontinuierliche extensive Bewirtschaftung entscheidend. Dazu zählen beispielsweise extensive Beweidung oder eine naturschutzgerechte Mahd mit Insektenschutzstreifen. Die Studie wurde durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Poniatowski, D., Stuhldreher, G., Helbing, F., Freienstein, F. M., Drung, M., Holtmann, L., Kämpfer, S., Löffler, F., Olthoff, M., Sachteleben, J., Schäfer, M. & T. Fartmann (2026): Grasshopper re-surveys unravel threats to wet grasslands: drought, nitrogen deposition, and abandonment. Ecological Indicators 188: 115052. doi.org/10.1016/j.ecolind.2026.115052
[02. Juni 2026] Feuchtgebiete zählen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas. Ihr Rückgang trägt wesentlich zur aktuellen Biodiversitätskrise bei. Vor diesem Hintergrund rückt die Bedeutung künstlicher Gewässer für Arten feuchter Lebensräume zunehmend in den Fokus. Hierzu zählen auch Regenrückhaltebecken, die insbesondere in Städten zur Speicherung überschüssigen Regenwassers und zur Vermeidung von Überschwemmungen angelegt werden. Wie mehrere Studien zeigen, können Regenrückhaltebecken unter geeigneten Bedingungen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstellen. Über ihre Bedeutung für rastende und überwinternde Vögel ist bislang jedoch nur wenig bekannt. Eine aktuelle in der Fachzeitschrift Ecological Engineering publizierte Studie untersuchte daher die Bedeutung städtischer Regenrückhaltebecken als Rast- und Überwinterungshabitat für die Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) und die Bekassine (Gallinago gallinago), deren Bestände in vielen Regionen rückläufig sind. Dabei zeigte sich, dass selbst vergleichsweise kleine Regenrückhaltebecken von beiden Arten gut angenommen werden – insbesondere dann, wenn sie ausgeprägte Übergangszonen zwischen Wasser und Land aufweisen. Neben der Habitatstruktur beeinflusste auch das Wetter die Nutzung der Becken. Nach niederschlagsreichen Perioden wurden deutlich mehr rastende Schnepfen beobachtet als nach trockeneren Witterungsphasen. Zudem spielte die Struktur der Umgebung eine wichtige Rolle. Die Vögel mieden Waldränder und bevorzugten semi-aquatische Bereiche mit niedriger Vegetation und offenem Boden. Entscheidend war insgesamt eine hohe Habitatqualität. Dazu gehörten ein gutes Nahrungsangebot, ausreichende Deckung vor Fressfeinden und – insbesondere für die Zwergschnepfe – möglichst geringe menschliche Störungen. Die Studie unterstreicht das Potenzial von Regenrückhaltebecken für den Schutz rückläufiger Watvogelarten. Angesichts zunehmender Trockenperioden sollten sie so gestaltet und gepflegt werden, dass auch in trockenen Phasen ausreichend feuchte Bereiche erhalten bleiben. Dadurch lässt sich die Funktion der Becken als Rast- und Überwinterungshabitat langfristig sichern.
Brüggeshemke, J., Korschefsky, T., Holtmann, L., Höhne, L. & T. Fartmann (2026): Urban stormwater ponds with large semi-aquatic zones are important resting and wintering habitats for snipes. Ecological Engineering 227: 107968. doi.org/10.1016/j.ecoleng.2026.107968
[28. Mai 2026] Wir gratulieren unserem Mitarbeiter Dr. Gwydion Scherer ganz herzlich zum erfolgreichen Abschluss seiner Promotion mit dem Titel „Survival in times of global change – The importance of habitat size, connectivity, heterogeneity and quality for the long-term conservation of two declining butterfly species“. Im Rahmen mehrerer Studien wurden die Voraussetzungen für den langfristigen Erhalt gefährdeter Tagfalterarten in Mitteleuropa untersucht. Im Fokus der Arbeit standen dabei der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) und der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia), deren Bestände infolge großflächiger Landnutzungsänderungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen sind. Die Untersuchungen in den Buckelwiesen des Niederwerdenfelser Landes sowie in den Kalkmagerrasen im Nationalpark Hainich verdeutlichen, dass insbesondere große, gut vernetzte und strukturreiche Lebensräume entscheidend für den Fortbestand stabiler Populationen der beiden Arten sind. Darüber hinaus spielt auch eine hohe Habitatqualität eine wichtige Rolle. Neben der Verfügbarkeit geeigneter Wirtspflanzen gewährleistet vor allem eine kleinräumige Habitatheterogenität und das Vorhandensein warmer Mikrohabitate die erfolgreiche Reproduktion der Arten. Die Ergebnisse der Promotion unterstreichen, dass eine extensive Grünlandbewirtschaftung – wie etwa traditionelle Heuwiesennutzung – wesentlich zur Erhaltung geeigneter Habitatstrukturen beiträgt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass auch Wildschweinwühlstellen in verbrachten Kalkmagerrasen geeignete Mikrohabitate für die beiden Arten bereitstellen können. Die Dissertation liefert wertvolle Grundlagen für zukünftige Naturschutz- und Managementstrategien zum Schutz gefährdeter Tagfalterarten in Grünlandökosystemen. Lieber Gywdion, wir gratulieren dir ganz herzlich zu dieser ausgezeichneten Leistung!
[25. Mai 2026] Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) hat infolge des Landnutzungswandels europaweit starke Bestandsrückgänge erlitten und gilt heute als wichtige Zielart des Grünlandschutzes. Trotz intensiver Forschung konzentrierten sich bisherige Studien vor allem auf adulte Falter, die Eiablage oder die Larvalentwicklung im Sommer. Über die Entwicklung der Larven nach der Überwinterung ist dagegen bislang nur wenig bekannt. In einer aktuellen Studie in der internationalen Fachzeitschrift Insect Conservation and Diversity wurden daher erstmals Phänologie, Entwicklungsdauer, Ausbreitungsverhalten und Nahrungsnutzung der Larven in dieser Lebensphase untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Larven im Frühjahr je nach Umweltbedingungen sehr unterschiedlich entwickeln und große Unterschiede in ihrer Entwicklungsdauer aufweisen. So verkürzte sich die Entwicklungszeit an wärmebegünstigten Standorten mit langer Sonnenscheindauer und ausgeprägter Streuauflage deutlich. Gleichzeitig änderten sich mit zunehmender Entwicklung auch Ausbreitungsverhalten und Nahrungsnutzung: Während junge Larven meist in der Nähe ihres Überwinterungsgespinstes blieben und vor allem Blätter des Teufelsabbisses (Succisa pratensis) fraßen, breiteten sich weiter entwickelte Larven zunehmend aus und nutzten ein breiteres Nahrungsspektrum. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Nutzung unterschiedlicher Mikrohabitate und die damit verbundene zeitliche Streckung der Larvalentwicklung die Widerstandsfähigkeit des Goldenen Scheckenfalters gegenüber ungünstigen Umweltbedingungen erhöhen können. Strukturreiche Lebensräume mit vielfältigen mikroklimatischen Bedingungen spielen daher eine zentrale Rolle für den Schutz der Art. Künftig sollte neben der Qualität einzelner Lebensräume auch deren landschaftlicher Kontext stärker berücksichtigt werden. Die Studie wurde durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sowie durch ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert.
Scherer, G. & T. Fartmann (2026): A protracted phenology: Post-diapause larval development of a threatened butterfly. Insect Conservation and Diversity: 1–14. doi.org/10.1111/icad.70068
[18. Mai 2026] Wir freuen uns sehr, unserem Mitarbeiter Dr. Felix Helbing zum erfolgreichen Abschluss seiner Promotion zu gratulieren. Seine Dissertation mit dem Titel „From degradation to diversity – Insights and methods for restoring semi-natural grasslands in Central Europe“ widmet sich der Wiederherstellung artenreicher Grünlandökosysteme und den ökologischen Prozessen, die für den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen entscheidend sind. Im Zentrum der Arbeit stand die Frage, wie degradierte Grünlandflächen wieder zu ökologisch wertvollen und artenreichen Lebensräumen entwickelt werden können. Hierzu wurden in mehreren Studien der Dissertation die Reaktionen verschiedener Organismengruppen auf Renaturierungsmaßnahmen in Kalkmagerrasen und Bergwiesen untersucht. Ergänzend wurden methodische Ansätze zur Übertragung von Wirbellosen sowie zur standardisierten Erfassung von Heuschrecken analysiert. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass Renaturierungsmaßnahmen bereits innerhalb weniger Jahre positive Effekte auf Pflanzen- und Insektengemeinschaften entfalten können. Neben der Verbesserung der Habitatqualität trug auch die vergleichsweise gute räumliche Vernetzung der Renaturierungsflächen wesentlich zum Erfolg der Maßnahmen bei. Gleichzeitig wurde erprobt, wie sich Wirbellose mithilfe von modifizierten Laubsaugern in weniger gut vernetzte Habitate übertragen lassen. Die Kombination aus praxisnahen Renaturierungsansätzen und methodischen Weiterentwicklungen liefert wertvolle Grundlagen für die Planung und Umsetzung zukünftiger Renaturierungsmaßnahmen. Die Forschungsergebnisse wurden in fünf internationalen Fachartikeln veröffentlicht und tragen dazu bei, das Verständnis für die Wiederherstellung artenreicher Grünlandökosysteme in Mitteleuropa weiter zu verbessern. Wir gratulieren dir, lieber Felix, ganz herzlich zu deiner hervorragenden Dissertation!
[15. April 2026] Der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno) zählt zu den seltensten Tagfaltern Deutschlands. Die boreal-montan verbreitete Art lebt ausschließlich in Mooren mit Vorkommen der Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), die als Nahrungsgrundlage der monophagen Raupen dient. Aufgrund dieser starken Spezialisierung und des anhaltenden Verlusts geeigneter Lebensräume hat die Art in den letzten Jahrzehnten erhebliche Bestandsrückgänge erlitten. In Deutschland ist sie heute weitgehend auf das Alpenvorland sowie die Hochlagen des Schwarzwaldes beschränkt. Um die Ursachen dieser Entwicklung besser zu verstehen, untersuchte eine aktuelle, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem Regierungspräsidium Freiburg geförderte Studie die Bedeutung der Habitat- und Landschaftsqualität für das Vorkommen der Art im mittleren und südlichen Schwarzwald. Über einen Zeitraum von acht Jahren wurden in allen potenziell besiedelbaren Mooren systematische Erhebungen von Raupen und Faltern durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine gute Vernetzung geeigneter Lebensräume eine zentrale Voraussetzung für das Vorkommen des Hochmoor-Gelblings ist, da sie die Ausbildung von Metapopulationen ermöglicht. Neben der Habitatvernetzung spielen auch klimatische Faktoren eine wichtige Rolle. Insbesondere die Sonnenscheindauer ist für eine erfolgreiche Larvalentwicklung von großer Bedeutung, da die Raupen in den kühlen Hochlagen des Schwarzwaldes auf solare Einstrahlung als Wärmequelle angewiesen sind. Beobachtungen des Autorenteams deuten zudem darauf hin, dass die Eiablage der Weibchen ausschließlich bei sonnigen Bedingungen erfolgt. Einen besonders starken Einfluss hat auch die Habitatnutzung. In Mooren mit wieder eingeführter extensiver Rinderbeweidung vervierfachten sich die Larvendichten im Verlauf der Untersuchung, während sie in ungenutzten Mooren auf niedrigem Niveau blieben. Die Beweidung fördert junge, niedrig wachsende Rauschbeeren mit einem warm-feuchten Mikroklima, erhöht das Nektarangebot und verzögert zugleich die Ausbreitung beschattender Gräser und Gehölze. Dadurch verbessern sich die Reproduktionsbedingungen der Art deutlich. Die Studie zeigt damit konkrete Möglichkeiten zum Schutz der Art auf: Neben periodischen Gehölzentnahmen kann insbesondere eine extensive Rinderbeweidung während der gesamten Vegetationsperiode entscheidend dazu beitragen, die Lebensraumbedingungen für den Hochmoor-Gelbling langfristig zu verbessern.
Fumy, F., Hafner, S., Paulus, G. & T. Fartmann (2026): Climatic conditions, landscape and habitat quality drive patch occupancy and larval density of a threatened mire butterfly. Insect Science. doi.org/10.1111/1744-7917.70284
[16. März 2026] Kalkmagerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und beherbergen zahlreiche spezialisierte und bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Ihre außergewöhnliche Biodiversität, die historisch durch traditionelle Landnutzung entstanden ist, hängt stark von kleinräumiger Habitatheterogenität ab. Trotz laufender Naturschutzmaßnahmen und ihres europaweiten Schutzes durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verschlechtert sich derzeit die Habitatqualität vieler Kalkmagerrasen in Mitteleuropa. Jüngste Studien und Feldbeobachtungen zeigen, dass die Aufrechte Trespe (Bromus erectus), eine hochwüchsige und konkurrenzstarke Grasart, innerhalb dieses Lebensraumtyps stark zugenommen hat. Zusammen mit der zunehmenden Ausbreitung konkurrenzstarker Moose führt dies zu einer strukturellen und floristischen Homogenisierung, wodurch ehemals artenreiche Vegetationsbestände zunehmend dichter und einheitlicher werden. Dieser Prozess verringert die Verfügbarkeit offener Bodenstellen und bedroht spezialisierte Pflanzen sowie die mit ihnen verbundenen Pilze und Tiere, darunter Bestäuber und andere herbivore Insekten. Der Klimawandel, atmosphärische Stickstoffdeposition und eine zu späte Nutzung sind zentrale Treiber der Verschlechterung der Habitatqualität durch Vergrasung und Vermoosung. Diese allmähliche Verschlechterung der Habitatqualität kann leicht übersehen werden, da sie langsam verläuft und Kalkmagerrasen auf den ersten Blick weiterhin „intakt“ erscheinen können. Eine Conservation Note in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation macht auf das Problem aufmerksam und unterstreicht die Notwendigkeit, das Bewusstsein für diese Entwicklung zu schärfen. Eine stärkere Wahrnehmung der Veränderungen ist ein wichtiger erster Schritt, um Managementstrategien anzupassen und weiteren Biodiversitätsverlust in diesen wertvollen Ökosystemen zu verhindern. Darüber hinaus enthält die Publikation konkrete Hinweise wie dem Vergrasungsproblem durch geeignetes Management begegnet werden kann.
Poniatowski, D. & T. Fartmann (2026): Vanishing biodiversity: The creeping degradation of central European calcareous grasslands. Global Ecology and Conservation 67: e04147. doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04147

[18. Februar 2026] In den meisten Lebensräumen Deutschlands geht die Biodiversität seit Jahrzehnten zurück. Für gezielte Gegenmaßnahmen sind genaue Kenntnisse der besonders wichtigen Ursachen von Populationsrückgängen bei Tieren, Pflanzen und Pilzen erforderlich. Um entsprechende Analysen –beispielsweise Expertenbefragungen – für verschiedene Artengruppen untereinander vergleichbar zu machen und artengruppenübergreifende Auswertungen durchführen zu können, bedarf es eines einheitlichen, umfassenden Verzeichnisses der potenziell relevanten Gefährdungsursachen. Im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurde nun ein detaillierter Katalog von Gefährdungsursachen für die in Deutschland einheimischen Arten erarbeitet und in der Schriftenreihe Naturschutz und Biologische Vielfalt publiziert. Mit 251 gelisteten Gefährdungsursachen zeichnet sich der Katalog durch eine hohe Vollständigkeit aus. Er berücksichtigt terrestrische, limnische und marine Habitate und ist insbesondere auf konkrete menschliche Handlungen und Einflüsse fokussiert. Sowohl Faktoren, die vor allem in historischer Zeit wirkten, als auch Einflüsse, die erst in jüngerer Vergangenheit in größerem Ausmaß auftraten, sind berücksichtigt. Aufgeführt sind beispielsweise landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Prozesse, Nähr- und Schadstoffeinträge oder Auswirkungen des Klimawandels. Der hohe Differenzierungsgrad der Gefährdungsursachen erleichtert die Ableitung konkreter naturschutzfachlich relevanter Aussagen und Maßnahmen. Neben dem Katalog selbst enthält die Publikation einen Abriss zur Methodik seiner Erstellung, eine Beschreibung von Struktur und Inhalten sowie Hinweise zur Nutzung des Katalogs. Vervollständigt wird sie durch Abbildungen zahlreicher Gefährdungsursachen.
Stuhldreher, G., Streitberger, M., Ries, M., Haupt, H., Poniatowski, D., Holtmann, L. & T. Fartmann (2026): Katalog der Gefährdungsursachen für Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland. Naturschutz und Biologische Vielfalt 177: 1–135. doi.org/10.19217/nabiv177
[17. Februar 2026] Kalkmagerrasen sind auf eine regelmäßige, extensive Nutzung angewiesen. Wird diese langfristig eingestellt, breiten sich Gehölze und konkurrenzstarke Gräser rasch aus und verändern die Vegetationsstruktur sowie die Artenzusammensetzung deutlich. Mit dem Rückgang offener Bereiche verlieren insbesondere licht- und wärmeliebende Arten geeignete Lebensräume. Wildbienen reagieren besonders sensibel auf diese Veränderungen, da sie auf ein vielfältiges Blütenangebot und geeignete Niststrukturen in unmittelbarer Nähe angewiesen sind. Langjährig brachliegende Kalkmagerrasen können durch Entbuschung und anschließende Wiederaufnahme einer extensiven Beweidung oder Mahd wiederhergestellt werden. Zu den Auswirkungen dieser Maßnahmen auf Wildbienen lagen bislang keine umfassenden Untersuchungen vor. In einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation wurden nun erstmals wiederhergestellte und langfristig bewirtschaftete Kalkmagerrasen hinsichtlich ihrer Bedeutung für Wildbienengemeinschaften verglichen. Die wiederhergestellten Flächen wiesen eine höhere Strauchdeckung, eine größere Vegetationshöhe sowie mehr verfügbare Schneckenhäuser auf und verfügten damit über zusätzliche Nist- und Mikrohabitate. Obwohl sich die Habitatstruktur deutlich unterschied, lagen Artenzahl und Individuendichte in beiden Flächentypen auf gleichem Niveau. Unterschiede zeigten sich jedoch in der Artenzusammensetzung: Auf den wiederhergestellten Flächen traten insbesondere spezialisierte Arten häufiger auf, die auf bestimmte Niststrukturen wie Pflanzenstängel, Totholz oder Schneckenhäuser angewiesen sind. Besonders wichtig für die Wildbienendiversität waren eine hohe Besonnung und ein reiches Blütenangebot. Für in Schneckenhäusern nistende Wildbienen wirkte sich zudem ein höherer Anteil junger Sträucher positiv aus. Diese stabilisieren das Mikroklima und schützen die Schneckenhäuser vor Zerstörung durch Weidetiere. Die Studie zeigt, dass wiederhergestellte Kalkmagerrasen strukturelle Elemente bereitstellen, die in kontinuierlich beweideten Flächen kaum vorkommen und dadurch die funktionale Vielfalt von Wildbienengemeinschaften erhöhen. Ein Mosaik verschiedener Sukzessionsstadien innerhalb der Kalkmagerrasenlandschaft kann langfristig dazu beitragen, artenreiche Bestäuber- und Pflanzengemeinschaften zu erhalten und zentrale Ökosystemleistungen zu fördern.
Kettermann, M., Fartmann, T. & D. Poniatowski. (2025): Restoration of abandoned calcareous grasslands promotes habitat diversity and overall wild bee beta diversity. Global Ecology and Conservation 64: e03977. doi.org/10.1016/j.gecco.2025.e03977

[12. Februar 2026] Fernerkundungsmethoden gewinnen in der Biodiversitätsforschung und im Naturschutz zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist der Normalized Difference Vegetation Index (NDVI), der auf hochaufgelösten Satellitenbildern basiert und Rückschlüsse auf die Vegetationsproduktivität ermöglicht. Mithilfe dieser Methode lassen sich Habitate beispielsweise ohne aufwändige Geländeerhebungen klassifizieren. Bislang ist jedoch nur unzureichend untersucht, inwieweit sich das Vorkommen und die Häufigkeit von Arten damit zuverlässig vorhersagen lassen. Auf Grundlage von Daten einer systematischen Brutvogelerfassung auf dem Truppenübungsplatz Munster Süd in der Lüneburger Heide wurde in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Ecological Solutions & Evidence untersucht, ob sich Artenreichtum und Revierdichte von Brutvögeln besser durch eine konventionelle Biotoptypenkartierung oder durch fernerkundungsbasierte Daten erklären lassen. Das Untersuchungsgebiet umfasst ein Mosaik aus Heiden und Mooren sowie nährstoffarmen Grünlandflächen, die von Kiefernwäldern umgeben sind. Innerhalb dieses Lebensraumkomplexes konnten heterogene, ökotonreiche Lebensräume mittlerer Produktivität als Hotspots der Brutvogelvielfalt identifiziert werden. Dabei ließen sich sowohl die Artenvielfalt als auch die Dichte gefährdeter Brutvogelarten durch den NDVI nahezu ebenso gut vorhersagen wie durch die im Gelände erhobenen Daten der Biotoptypenkartierung. Bei Betrachtung aller Arten wiesen die Biotoptypendaten jedoch einen deutlich höheren Erklärgehalt auf. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen das hohe Potenzial von Fernerkundungsdaten zur Vorhersage von Biodiversitätsmustern. Sofern ausreichend ausgeprägte Produktivitätsgradienten vorhanden sind, stellen fernerkundungsbasierte Analysen eine effiziente und praktikable Alternative zu arbeitsintensiven Geländeaufnahmen dar. Sie eignen sich insbesondere für Untersuchungen in schwer zugänglichen Gebieten oder für großflächige Analysen, bei denen flächendeckende Biotoptypenkartierungen nur mit erheblichem Aufwand realisierbar sind. Zugleich zeigen die Ergebnisse jedoch, dass Fernerkundungsdaten nicht alle Biodiversitätsmuster vollständig abbilden können und daher eine Kombination mit Geländedaten in vielen Fällen weiterhin sinnvoll erscheint. Die Studie wurde durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes finanziert.
Brüggeshemke, J. & T. Fartmann (2025): Predicting species richness and abundance of breeding birds by remote-sensing and field-survey data. Ecological Solutions and Evidence 6: e70170. https://doi.org/10.1002/2688-8319.70170

[14. Januar 2026] Kalkmagerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Obwohl sie nach EU-Recht gesetzlich geschützt sind, ist ihre Biodiversität vielerorts stark bedroht. Eine der Hauptursachen dafür ist die Aufgabe traditioneller Nutzungsformen, die zu Verbrachung der Kalkmagerrasen und einem Rückgang charakteristischer Arten führt. Bereits frühere Arbeiten konnten nachweisen, dass Wildschweine durch ihre Wühltätigkeit positive Effekte auf die Biodiversität von Grünland-Ökosystemen haben können. So wurde in einer Studie gezeigt, dass Wildschwein-Wühlstellen eine wichtige Rolle für die Reproduktion des Ehrenpreis-Scheckenfallters (Melitaea aurelia) und des Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia) in verbrachten Kalkmagerrasen spielen. Zwei aktuelle Untersuchungen haben sich nun mit den Auswirkungen dieser Wühltätigkeit auf Pflanzen- und Heuschreckengemeinschaften beschäftigt. Die untersuchten Kalkmagerrasen liegen seit mehr als 30 Jahren brach und wiesen bereits deutliche Anzeichen einer floristischen Verarmung auf. Durch das Wühlen der Wildschweine werden jedoch dominante Gräser zurückgedrängt und offene Bodenstellen geschaffen. Wie in einer der Studien gezeigt wurde, fördert dies das Vorkommen konkurrenzschwacher, lichtliebender Pflanzenarten, die bei fortschreitender Sukzession sonst keine geeigneten Lebensbedingungen mehr vorfinden würden. Dazu zählten in den Untersuchungsflächen typische Magerrasenarten ebenso wie viele einjährige Arten, Ackerwildkräuter und Ruderalarten. Insgesamt erhöhen die Wühlstellen die Habitatheterogenität der Kalkmagerrasen. Gemäß der Studienergebnisse profitieren auch Heuschrecken von dem durch die Wühltätigkeit entstandenen Mosaik unterschiedlicher Sukzessionsstadien. Während Larven der zumeist wärmliebenden Kurzfühlerschrecken im Frühjahr vor allem in rohbodenreichen Wühlstellen zu finden waren, traten adulte Tiere im weiteren Jahresverlauf häufiger auch in dichteren Strukturen auf, die ausreichend Schutz vor Prädation bieten. Auch Langfühlerschrecken waren überwiegend in älteren Wühlstellen oder ungestörten Bereichen der Kalkmagerrasen zu finden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Wildschweine als Ökosystemingenieure einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt verbrachter Kalkmagerrasen leisten können. Obwohl eine traditionelle Nutzung für den Erhalt der Biodiversität der mitteleuropäischen Kalkmagerrasen unerlässlich ist, sollte der Einfluss des Wildschweins und anderer wilder Herbivoren in der Naturschutzpraxis insbesondere dort berücksichtigt werden, wo eine Beweidung mit Nutztieren unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht realisierbar ist.
van Leeuwen, B. O., Tuinder, Q. A. M., Fartmann, T., Scherer, G., Klamm, A., Schellenberg, M., Vergeer, P. & P. A. Jansen (2025): Effects of wild boar (Sus scrofa) rooting on abandoned calcareous grassland in Hainich National Park, Germany. Global Ecology and Conservation 59: e03535. doi.org/10.1016/j.gecco.2025.e03535
Tuinder, Q. A. M., van Leeuwen, B. O., Vergeer, P., Scherer, G., Fartmann, T. & P. A. Jansen (2025): Impact of wild boar (Sus scrofa) rooting succession on grasshoppers (Orthoptera) in abandoned calcareous grasslands. Journal of Insect Conservation 29: 78. doi.org/10.1007/s10841-025-00715-2
[14. Januar 2026] Kleine Stillgewässer spielen eine zentrale Rolle für die Artenvielfalt unserer Landschaft. In Mitteleuropa sind sie jedoch aufgrund von Verfüllung, Entwässerung und Eutrophierung stark zurückgegangen. Entsprechend sind zahlreiche aquatische und semi-aquatische Pflanzenarten, die auf nährstoffarme, besonnte und dynamische Bedingungen angewiesen sind, zunehmend gefährdet. Kalksteinbrüche haben sich in den letzten Jahrzehnten als wichtige Sekundärlebensräume für diese Artengruppen erwiesen. Bislang fehlten jedoch systematische Untersuchungen zur Bedeutung von Steinbruchgewässern für die Phytodiversität (Gefäßpflanzen, Moose und Armleuchteralgen). Aus diesem Grund wurden in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt Steinbruchgewässer und Kleingewässer in der umgebenden Landschaft detailliert miteinander verglichen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation publiziert und zeigt, dass die Gewässer in Steinbrüchen eine deutlich höhere Habitatqualität aufwiesen als die Vergleichsgewässer. Sie waren stärker besonnt und wiesen ausgeprägtere Wasserstandsschwankungen, größere semi-aquatische Zonen sowie eine höhere Strukturvielfalt auf. Diese Faktoren begünstigten eine außergewöhnlich hohe Vielfalt aquatischer und semi-aquatischer Pflanzen. Darunter waren zahlreiche gefährdete Taxa, die in Steinbruchgewässern deutlich häufiger auftraten oder ausschließlich dort nachgewiesen wurden. Als wichtigste Einflussgrößen für eine hohe Phytodiversität erwiesen sich die Dauer der Sonneneinstrahlung, die strukturelle Vielfalt des Gewässers und die Ausdehnung der semi-aquatischen Zone. Alle drei Faktoren wirkten sich positiv auf die Artenvielfalt aus, während eine erhöhte Leitfähigkeit – als Hinweis auf Nährstoffbelastung – insbesondere die Zahl gefährdeter Moosarten verringerte. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen den hohen naturschutzfachlichen Wert von Steinbrüchen und ihren Gewässern. Vor allem offene und gut besonnte Bedingungen sowie eine ausgeprägte Habitatheterogenität machen sie zu wichtigen Lebensräumen für gefährdete Pflanzenarten. Um diesen Lebensraumtyp langfristig zu erhalten, sollten nach Nutzungsende weder Verfüllung noch vollständige Flutung erfolgen. Stattdessen wird empfohlen, innerhalb der Abgrabungen eine große Vielfalt an temporären und permanenten Gewässern zu schaffen und bei Bedarf fortschreitende Sukzession durch Oberbodenabtrag und selektive Gehölzentfernung zu unterbinden, um offene, sonnige Bedingungen langfristig zu sichern.
Kettermann, M., Schmidt, C. & T. Fartmann (2025): Ponds in quarries have a higher plant species richness than those in the surrounding landscape. Global Ecology and Conservation 64: e03957. doi.org/10.1016/j.gecco.2025.e03957