Thomas Fartmann | Biodiversität und Landschaftsökologie

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Aktuelles

Marco Drung erh√§lt Stifter-Preis der Universit√§t Osnabr√ľck f√ľr den besten Masterabschluss

Steinschmätzer
Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)

[13. Dezember 2018] Unser Masterabsolvent Marco Drung wurde f√ľr exzellente Leistungen im Rahmen seines Masterstudiums und seiner Abschlussarbeit mit dem Stifter-Preis der Universit√§t Osnabr√ľck (Fachbereich Biologie/Chemie) ausgezeichnet. In seiner Masterarbeit untersuchte er die Eignung von Torfabbaugebieten als Ersatzlebensraum f√ľr den Steinschm√§tzer (Oenanthe oenanthe). Da die Art in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, haben die in seiner Arbeit erzielten Forschungsergebnisse eine besondere Relevanz f√ľr den Naturschutz. Durch die gro√üfl√§chige Entw√§sserung der Hochmoore im Zuge des Landnutzungswandels, lassen sich im Nordwesten Deutschlands heute nur noch wenige, zumeist stark degradierte Moor√∂kosysteme vorfinden. Dem Erhalt intakter Hochmoorfl√§chen sollte europaweit h√∂chste Priorit√§t beigemessen werden. Das Gros der untersuchten Abbaufl√§chen befindet sich jedoch auf historischen Hochmoorstandorten, die zuvor bereits √ľber mehrere Jahrzehnte intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden. Es kann davon ausgegangen werden, dass der hohe Offenbodenanteil der Abtorfungsfl√§chen dem Steinschm√§tzer die Nahrungssuche erleichtert. Dar√ľber hinaus bieten Torfsodenstapel mit versteckten Hohlr√§umen gute Nistm√∂glichkeiten. Auf Grund des gro√üfl√§chigen Verlustes geeigneter Bruthabitate in der mitteleurop√§ischen Agrarlandschaft, stellen Torfabbaugebiete neben anderen Sekund√§rlebensr√§umen wie z.B. Bergbaufolgelandschaften, Steinbr√ľchen und Truppen√ľbungspl√§tzen die letzten Refugien des Steinschm√§tzers in Norddeutschland dar. Nach Einstellung der Abtorfung werden die Fl√§chen zudem wiedervern√§sst und renaturiert, sodass sich an diesen Standorten langfristig neue Moor√∂kosysteme entwickeln k√∂nnen.

Klimawandel erfordert neue Maßnahmen zum Schutz von Grasland- und Heideökosystemen

Bergmähwiese
Bergm√§hwiese mit Bl√ľhaspekt des Schlangen-Kn√∂terichs (Bistorta officinalis)

[16. November 2018] Die Auswirkungen des Klimawandels erfordern weitreichende Handlungen zum Schutz der mitteleurop√§ischen √Ėkosysteme. In einem aktuellen Artikel in der Fachzeitschrift Natur und Landschaft werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversit√§t von Grasland- und Heide√∂kosystemen zusammengefasst und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen formuliert. Auf Grund der globalen Erw√§rmung und zunehmender Sommertrockenheit besteht insbesondere f√ľr feuchteabh√§ngige und montane Grasland- und Heidelebensr√§ume ein hohes Gef√§hrdungspotenzial. Vor allem kalt-stenotherme Organismen gelten als hochsensibel gegen√ľber dem Klimawandel. Beispielsweise haben steigende Wintertemperaturen zu Arealverlusten beim Rundaugen-Mohrenfalters (Erebia medusa) gef√ľhrt. Zus√§tzlich k√∂nnen indirekte Effekte des Klimawandels, wie beispielsweise der Ausbau erneuerbarer Energien, zu Ver√§nderungen der Artgemeinschaften im Offenland beitragen. Diese Ergebnisse zeigen exemplarisch dass dringend weitere Vorkehrungen getroffen werden m√ľssen, die die Anpassung der Arten an die ver√§nderten Umweltbedingungen unterst√ľtzen. Neben der Optimierung des Habitatangebots geh√∂rt hierzu auch der Aufbau eines Biotopverbundsystems auf lokaler und √ľberregionaler Ebene. Die Studie wurde vom Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN) gef√∂rdert.

Streitberger, M., Fartmann, T., Ackermann, W., Balzer, S., & S. Nehring (2018): Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversit√§t von Grasland- und Heide√∂kosystmen – Kausalanalyse und Entwicklung nachhaltiger Anpassungsstrategien. Natur und Landschaft 93 (12): 545–552.

Studie belegt klimainduzierte Arealerweiterung bei Heuschrecken in Mitteleuropa

Sumpfschrecke, Arealerweiterung, Klimawandel, Heuschrecken
Sumpfschrecke (Stethophyma grossum)

[15. Oktober 2018] Trotz des gro√üfl√§chigen Verlusts und der zunehmenden Degradierung und Fragmentierung der Habitate in Mitteleuropa, konnte sich fast ein Drittel der in Deutschland heimischen Heuschreckenarten w√§hrend der letzten Jahrzehnte ausbreiten. Das Ausma√ü der Arealerweiterungen ist artspezifisch sehr unterschiedlich und abh√§ngig von verschiedenen Faktoren wie den Habitatanspr√ľchen und der Mobilit√§t der Arten sowie der Landschaftsausstattung am Arealrand. Starke Arealerweiterungen, insbesondere in den ehemals sommerk√ľhlen Gebieten Deutschlands setzten zeitgleich mit dem starken Temperaturanstieg seit Ende der 1980er-Jahre ein. Daher scheint der Klimawandel ma√ügeblich verantwortlich f√ľr diese Entwicklung zu sein. Bemerkenswert ist, dass sich nicht nur Habitatgeneralisten ausgebreitet haben, sondern auch – trotz verminderter Habitatverf√ľgbarkeit – xerophile Offenbodenspezialisten und hygrothermophile Feuchtgr√ľnlandarten. Jedoch ist davon auszugehen, dass Arten deren Eistadien sensibel gegen√ľber Trockenheit sind, durch die zunehmende H√§ufigkeit von D√ľrreperioden negativ beeintr√§chtigt werden k√∂nnen. Die wenigen in Deutschland ausschlie√ülich montan und alpin verbreiteten Arten d√ľrften ebenfalls Verlierer des Klimawandels sein. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift f√ľr Naturschutz und Landschaftspflege – Natur und Landschaft publiziert.

Poniatowski, D., M√ľnsch, T., Helbing, F. & T. Fartmann (2018): Arealerweiterungen bei mitteleurop√§ischen Heuschrecken als Folge des Klimawandels. Natur und Landschaft 93 (12): 553–561.

D√ľngung f√ľhrt zu erh√∂hter Mortalit√§t von Schmetterlingsraupen

Brauner Feuerfalter, Lycaena tityrus, Stickstoffanreicherung
Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus)

[26. September 2018] Die landwirtschaftliche Intensivierung gilt als die Hauptursache f√ľr das fl√§chendeckende Verschwinden vieler Schmetterlingsarten in West- und Mitteleuropa. Der R√ľckgang der Artenvielfalt wurde dabei h√§ufig mit der zunehmenden Degradierung und Fragmentierung der Habitate in Verbindung gebracht, wohingegen Ver√§nderungen der Wirtspflanzenqualit√§t bisher weitestgehend unber√ľcksichtigt blieben. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Oecologia zeigen jedoch, dass zu hohe Stickstoffkonzentrationen in den Wirtspflanzen zu einer stark erh√∂hten Mortalit√§tsrate bei Schmetterlingsraupen f√ľhren k√∂nnen. In der Untersuchung wurden in einem experimentellen Ansatz die √úberlebensraten der Raupen von insgesamt sechs weit verbreiteten Tag- und Nachtfalterarten unter verschiedenen D√ľngeszenarien dokumentiert. Die simmulierten Stickstoffgaben entsprachen dabei den in der mitteleurop√§ischen Landwirtschaft aktuell √ľblichen D√ľngemengen. Die D√ľngung hat dabei zu einer Zunahme des Stickstoffgehalts in den Wirtspflanzen und gleichzeitig zu einer deutlich erh√∂hten Mortalit√§tsrate der Schmetterlingsraupen aller Modellarten gef√ľhrt. Mit den Forschungsergebnissen liegt nun erstmalig ein Beleg vor, dass die aktuellen D√ľngeraten den physiologischen Toleranzbereich der meisten Schmetterlingsarten √ľberschreiten d√ľrften. Es ist somit davon auszugehen, dass die D√ľngung durch ihren Einfluss auf die Wirtspflanzenqualit√§t direkt zum fl√§chendeckenden R√ľckgang vieler Schmetterlingsarten beitr√§gt.

Kurze, S., Heinken, T. & T. Fartmann (2018): Nitrogen enrichment in host plants increases the mortality of common Lepidoptera species. Oecologia 188: 1227–1237.

BfN f√∂rdert Konzeptentwicklung f√ľr bundesweites Insektenmonitoring

Insektenmonitoring, Insektensterben, Wildbiene, Halictus scabiosae
Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

[21. August 2018] Das Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN) hat uns damit beauftragt, ein umfassendes Konzept f√ľr das bundesweite Insektenmonitoring zu entwickeln. Aktuelle Studien haben lokal drastische R√ľckg√§nge von Insektenpopulationen festgesetellt. Es fehlen jedoch bislang bundesweit repr√§sentative, standardisiert erhobene Daten zu Langzeitver√§nderungen von Insektenbest√§nden. Als Bestandteil eines weitreichenden Biodiversit√§tsmonitorings soll mit dem nun gef√∂rderten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben erstmalig eine Grundlage geschaffen werden, wie in Zukunft belastbare Daten zu den gro√üfl√§chigen Populationsentwicklungen der Insekten dokumentiert werden k√∂nnen. Dabei streben wir an, zum einen den Zustand und die Ver√§nderungen der Insekten der Normallandschaft und zum anderen die Best√§nde und Trends naturschutzfachlich wertgebender Arten lebensraum√ľbergreifend zu erfassen. In Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern werden wir unter Ber√ľcksichtigung fachlicher, methodischer und organisatorischer Gesichtspunkte den Aufbau des Insektenmonitorings bis zum Jahr 2020 schrittweise konkretisieren. In den konzeptionellen √úberlegungen wird gepr√ľft, ob Synergien zu bereits bestehenden Monitoringprogrammen, Citizen-Science-Projekten, wissenschaftlichen Sammlungen, sowie zu der Arbeit von entomologischen Vereinen und Fachgesellschaften in das Vorhaben einbezogen werden k√∂nnen. Die Monitoringdaten sollen zuk√ľnftig zur Analyse r√§umlich-zeitlicher Zusammenh√§nge zwischen den Insektenbest√§nden und Umweltver√§nderungen dienen.

Pressemitteilung des BfN

Projektpartner: Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, Planungsb√ľro f√ľr angewandten Naturschutz GmbH, Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e. V., Entomologischer Verein Krefeld e. V.

Habitatqualit√§t bedeutendster Faktor f√ľr das Vorkommen von spezialisierten Insektenarten

Landnutzungswandel, Habitatfragmentierung, Metapopulation, Argynnis aglaja
Großer Perlmutterfalter (Argynnis aglaja)

[13. August 2018] Infolge des Landnutzungswandels sind artenreiche Graslandhabitate heute h√§ufig stark degradiert und voneinander isoliert. Habitatqualit√§t, Fl√§chengr√∂√üe und Habitatkonnektivit√§t gelten als die entscheidenden Faktoren, die das Vorkommen von Habitatspezialisten in fragmentierten Landschaften bestimmen. Es wird jedoch bis heute kontrovers diskutiert, welcher dieser Faktoren die gr√∂√üte Bedeutung f√ľr den Artenschutz besitzt. Im Rahmen einer gro√ür√§umig angelegten Studie wurde nun anhand von Modellorganismen verschiedener Insektenordnungen die relative Bedeutung dieser Faktoren analysiert. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Habitatqualit√§t, gefolgt von der Fl√§chengr√∂√üe, den st√§rksten Einfluss auf das Vorkommen von Habitatspezialisten in Kalkmagerrasen hatte. Bei einer zunehmenden Fragmentierung der Graslandpatches w√ľrde die Konnektivit√§t jedoch vermutlich st√§rker ins Gewicht fallen. Mit der Abhandlung in der Fachzeitschrift Biological Conservation liegt nun eine wissenschaftlich fundierte Grundlage vor, die es Naturschutzpraktikern erleichtert bei begrenzten Ressourcen den Fokus von Schutzma√ünahmen festzulegen. Es kann davon ausgegangen werden, dass in den mitteleurop√§ischen Grasland-Hotspots der Erhalt gro√üfl√§chiger und regelm√§√üig gemanagter Habitate den Anspr√ľchen der meisten Arten gerecht wird. Der Einfluss der Habitatkonnektivit√§t sollte dabei jedoch nicht untersch√§tzt werden. Beispielsweise muss der Verbesserung des Biotopverbundes in landwirtschaftlich intensiv genutzten und stark ausger√§umten Landschaften eine gro√üe Bedeutung beigemessen werden. Dar√ľber hinaus stellt die Erh√∂hung der Habitatkonnektivit√§t vor dem Hintergund des Klimawandels eine besonders wichtige Anpassungsma√ünahe dar.

Poniatowski, D., Stuhldreher, G., L√∂ffler, F. & T. Fartmann (2018): Patch occupancy of grassland specialists: Habitat quality matters more than connectivity. Biological Conservation 225: 237–244. doi: doi.org/10.1016/j.biocon.2018.07.018

Forschung f√ľr die Biodiversit√§t in Steinbr√ľchen in Zeiten des globalen Wandels

Landnutzungswandel, Steinbruch, Biodiversität, Naturschutz
Kalksteinbruch mit hoher Habitatdiversität

[02. August 2018] Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) f√∂rdert ein Forschungsprojekt zur Biodiversit√§t und zum nachhaltigen Management von Steinbr√ľchen in Zeiten des globalen Wandels. In Kooperation mit zahlreichen Partnern aus der Naturschutzpraxis und Rohstoffindustrie werden in dem Vorhaben anhand verschiedener Indikatorgruppen Zusammenh√§nge zwischen der Artenvielfalt in Steinbr√ľchen und den diesbez√ľglich entscheidenden Umweltfaktoren analysiert. Da der Kenntnisstand zur Biodiversit√§t von Steinbr√ľchen immer noch gering ist, beabsichtigen wir anhand der gewonnenen Erkenntnisse Handlungsempfehlungen f√ľr eine biodiversit√§tsf√∂rdernde und nachhaltige Bewirtschaftung der Abbaufl√§chen zu erarbeiten. Die Relevanz des Projektes wird besonders vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Steinbr√ľchen infolge der europaweit gestiegenen Nachfrage nach Baumaterialien deutlich. Gleichzeitig bergen die Abbaust√§tten sowohl w√§hrend des Gesteinsabbaus als auch nach Aufgabe der Nutzung ein herausragendes Potenzial f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t in der mitteleurop√§ischen Kulturlandschaft. Trotzdem ist es immer noch h√§ufige Praxis, Steinbr√ľche nach Einstellung der Abbaut√§tigkeiten zu verf√ľllen und aufzuforsten. In unseren Studien streben wir an, den Naturschutzwert der Gesteinsabbaust√§tten im Vergleich zur umgebenden Landschaftsmatrix anhand einer hinreichenden Datengrundlage empirisch zu belegen. Dar√ľber hinaus sollen Wissensdefizite zur Renaturierung und zum Habitatmanagement in Steinbr√ľchen behoben werden. Durch die breite bioz√∂notische Basis der Untersuchungen in einem der wichtigsten europ√§ischen Gesteinsabbaugebiete besitzt das Projekt √ľberregionalen Modellcharakter f√ľr den Biodiversit√§tsschutz in Steinbr√ľchen.

Neue Studie belegt hohen Wert von Weihnachtsbaumkulturen f√ľr seltene Brutv√∂gel

landnutzungswandel, Agrarlandschaft, Brutvögel, Heidelerche
Heidelerche (Lullula arborea)

[24. Juli, 2018] Traditionell haben Agrarlandschaften eine gro√üe Bedeutung f√ľr die Biodiversit√§t. Der Wandel von der traditionellen Landnutzung hin zu einer modernen, industrialisierten Landwirtschaft hat jedoch in Europa vielerorts zu einem dramatischen Artensterben gef√ľhrt. Gleichzeitig k√∂nnen anthropogene Landschaftsver√§nderungen aber auch die Entstehung neuartiger √Ėkosysteme beg√ľnstigen, die unter Umst√§nden durch das Vorkommen neuer, artenreicher Lebensgemeinschaften gekennzeichnet sein k√∂nnen. Weihnachtsbaumkulturen sind ein charakteristisches Beispiel derartiger Lebensr√§ume in Mitteleuropa. Seit Beginn des systematischen Weihnachtsbaumanbaus im Hochsauerland wurde die Anbaufl√§che dieser Kulturen kontinuierlich erweitert. Durch eine aktuelle Studie im Rahmen des Projektes „Biodiversit√§t von Weihnachtsbaumkulturen in Mitteleuropa“ (gef√∂rdert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt – DBU) konnte nun gezeigt werden dass Weihnachtsbaumkulturen einen regional bedeutenden R√ľckzugsraum f√ľr gef√§hrdete Brutvogelarten darstellen. Trotz der generell intensiven Bewirtschaftungsweise waren die Kulturen durch eine h√∂here Landschaftsdiversit√§t gekennzeichnet als andere dominierende Landschaftstypen im Untersuchungsgebiet. Dar√ľber hinaus wurden die Brutvorkommen gef√§hrdeter Arten sehr wahrscheinlich durch die hohe Nahrungsverf√ľgbarkeit und -zug√§nglichkeit in den Kulturen gef√∂rdert. Der hohe Offenbodenanteil in den Anbaufl√§chen beg√ľnstigt insbesondere Arten die am Boden nach Nahrung suchen, wie z.B. die Heidelerche, wohingegen die Vegetation in den urspr√ľnglichen Lebensr√§umen dieser Arten heute h√§ufig zu dicht und hochw√ľchsig ist. Nach aktuellen Sch√§tzungen beherbergen die Weihnachtsbaumkulturen sogar mehr als ein Drittel der nordrhein-westf√§lischen Heidelerchenpopulation. Die umfassenden Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Ecological Indicators publiziert:

Fartmann, T., Kämpfer, S., Brüggeshemke, J., Juchem, M., Klauer, F., Weking, S. & F. Löffler (2018): Landscape-scale effects of Christmas-tree plantations in an intensively used low-mountain landscape – Applying breeding bird assemblages as indicators. Ecological Indicators 94: 409–419. doi: doi.org/10.1016/j.ecolind.2018.07.006

Gewinner und Verlierer РAktuelle Studie prognostiziert Arealveränderungen bei Tagfaltern

Klimawandel, Tagfalter, Satyrium spini, Arealveränderung
Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini)

[10. Juli 2018] Eine immer gr√∂√üere Anzahl an Wissenschaftlern geht davon aus, dass der Klimwandel die Biodiversit√§t zuk√ľnftig st√§rker beeinflussen k√∂nnte als direkte Lebensraumver√§nderungen. Es werden jedoch im Hinblick auf die erwarteten Klimaver√§nderungen artspezifisch sehr unterschiedliche Reaktionsmuster prognostiziert. Aufgrund ihrer spezialisierten Lebensweise gelten Tagfalter als eine der am besten geeigneten Indikatorgruppen zur Untersuchung der Klimawandeleffekte in terrestrischen √Ėkosystemen. Anhand einer detaillierten Analyse der mikroklimatischen Pr√§ferenzen von drei spezialisierten Tagfalterarten in Kalkmagerrasen des Diemeltals konnte nun die zuk√ľnftige Verbreitung dieser Spezies entlang eines H√∂hengradienten modelliert werden. Temperatur und Luftfeuchte unterschieden sich in den aktuell besiedelten Mikrohabitaten der Arten deutlich. W√§hrend der Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa) eine Pr√§ferenz f√ľr k√ľhl-feuchte Habitatbedingungen zeigte, bevorzugten der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) und der Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini) warme und trockene Mikrohabitate. Da die aktuelle Verbreitung der Modellorganismen im Untersuchungsgebiet vor allem durch klimatische Faktoren limitiert wird, kann davon ausgegangen werden dass eine weitere Klimaerw√§rmung auf dem Niveau der vergangenen Jahre mittelfristig zu deutlichen Arealver√§nderungen der Arten f√ľhren wird. Auf der Grundlage der Ergebnisse unserer Studie muss E. medusa als ein klarer Verlierer des Klimawandels eingestuft werden, wohingegen M. aurelia und S. spini ihr Verbreitungsgebiet voraussichtlich in h√∂here Lagen erweitern werden. Da f√ľr alle drei Arten eine hohe Naturschutzrelevanz besteht, sollten zukunftsf√§hige Schutzma√ünahmen etabliert werden, die es den Arten erm√∂glichen auf klimatische Ver√§nderungen zu reagieren.

Stuhldreher, G. & T. Fartmann (2018): Threatened grassland butterflies as indicators of microclimatic niches along an elevational gradient – Implications for conservation in times of climate change. Ecological Indicators 94: 83–98. doi: doi.org/10.1016/j.ecolind.2018.06.043

Auszeichnung f√ľr Projekt „Bergheide-√Ėkosysteme im Rothaargebirge“

Bergheide, Kulturlandschaft, UN Dekade, Biologische Vielfalt
Traditionelle Beweidung in den Bergheiden des Rothaargebirges

[26. Juni 2018] Bergheiden sind ein bedeutender Bestandteil der historischen Kulturlandschaft des Rothaargebirges, jedoch wurde die Ausdehung der montanen Zwergstrauchheiden mit Aufgabe der traditionellen Heidebewirtschaftung stark zur√ľckgedr√§ngt. Die verbliebenen Fl√§chen sind von herausragender Bedeutung f√ľr den Erhalt der biologischen Vielfalt in Mitteleuropa. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern entwickeln wir L√∂sungen f√ľr bestehende Managementkonflikte und nachhaltige Konzepte f√ľr die Wiederherstellung ehemaliger Heidestandorte. Mit dem Projekt soll ein weiterer R√ľckgang der Bergheiden gestoppt, der Erhaltungszustand der verbliebenen Heidefl√§chen verbessert und der Erhalt montaner Zwergstrauchheiden dauerhaft gesichert werden. Durch die weitreichende Relevanz unserer Untersuchungen und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern wurde das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef√∂rderte Vorhaben nun durch die hessische Umweltministerin Priska Hinz als „Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Dabei wurde besonders hervorgehoben, dass der Erhalt der Bergheiden einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt leistet. Mit der Renaturierung fr√ľherer Bergheidefl√§chen beabsichtigen wir weiterhin, den l√§nder√ľbergreifenden Biotopverbund zu f√∂rdern und somit den Fortbestand artenreicher Lebensgemeinschaften in der historischen Kulturlandschaft des Rothaargebirges zu sichern.

DO-G unterst√ľtzt Forschungsprojekt zu Aviz√∂nosen in montanen Grasland-√Ėkosystemen

Borstgrasrasen, Arnica montana, Hotzenwald
Montanes Weidfeld im S√ľdschwarzwald

[15. Juni 2018] Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) unterst√ľtzt ein Forschungsvorhaben unserer externen Masterstudierenden Friederike Kunz. Im Fokus der Untersuchungen stehen aktuelle Entwicklungen, die die Diversit√§t der Aviz√∂nosen des montanen Graslands zuk√ľnftig verst√§rkt negativ beeintr√§chtigen k√∂nnten. Aktuell sind viele Vogelarten des genutzten Offenlandes bereits von dramatischen Bestandsr√ľckg√§ngen betroffen. Vielfach werden diese Populationseinbr√ľche mit der in Nordwest- und Mitteleuropa nahezu fl√§chendeckenden, intensiven Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Im S√ľdschwarzwald dagegen, sind extensiv bewirtschaftete Grasland-√Ėkosysteme noch weit verbreitet. In den tieferen Lagen dominiert gem√§htes Grasland, h√§ufig verzahnt mit Flachmooren. Kleinr√§umige Mosaike aus grasig-krautiger Vegetation, Zwergstr√§uchern, Wacholderb√ľschen und Geh√∂lzgruppen charakterisieren die Weidfelder der h√∂heren Lagen. Charakterv√∂gel dieser Landschaft sind gef√§hrdete Brutvogelarten wie Neunt√∂ter, Wiesen- und Baumpieper, Braunkehlchen und Goldammer. Jedoch ist auch das Grasland im Untersuchungsgebiet mit seinen artenreichen Bioz√∂nosen zunehmend durch Nutzungsintensivierung und den Ausbau der Tourismusinfrastruktur gef√§hrdet. In unserer Studie untersuchen wir, welche Faktoren das Vorkommen gef√§hrdeter Brutvogelarten von Grasland-√Ėkosystemen auf der Landschafts- und Habitatebene bestimmen. Basierend auf diesen Daten werden Konzepte f√ľr den effektiven Schutz der artenreichen Grasland-√Ėkosysteme im S√ľdschwarzwald erarbeitet.

Ausbreitung von Bromus erectus gefährdet auf lange Sicht die Biodiversität in Kalkmagerrasen

Kalkmagerrasen, Leontodon hispidus, Biodiversitätshotspot
Kalkmagerrasen mit Bl√ľhaspekt des Steifhaarigen L√∂wenzahns (Leontodon hispidus)

[22. Mai 2018] Eine aktuelle Studie in der internationalen Fachzeitschrift Insect Conservation and Diversity belegt, dass durch die Ausbreitung der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) langfristig negative Auswirkungen auf die Biodiversit√§t von Kalkmagerrasen zu erwarten sind. W√§hrend die Art in S√ľddeutschland bereits seit Jahrhunderten zu den dominierenden S√ľ√ügr√§sern in Kalkmagerrasen z√§hlt, hat sie sich in Norddeutschland erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ausgebreitet. Im Untersuchungsgebiet der Studie, dem Diemeltal, trat Bromus erectus selbst bis Ende der 1990er-Jahre nur vereinzelt auf. Mit dem Forstschreiten der globalen Klimaerw√§rmung hat sich die Art in den letzten zwei Jahrzehnten jedoch auch hier massiv ausgebreitet und tritt nun in w√§rmebeg√ľnstigten Lagen verst√§rkt bestandsbildend auf. Bromus erectus kann sich unter zunehmender Trockenheit und steigenden Temperaturen hervorragend reproduzieren und im Vergleich zu konkurrenzschw√§cheren Pflanzenarten im Laufe einer Vegetationsperiode mehr Biomasse aufbauen. Dadurch wird die Ausbreitung der Art beg√ľnstigt. Diese Entwicklung hat im Diemeltal zu einer zunehmenden Homogenisierung der Vegetationsstruktur und einer signifikanten Abnahme der Pflanzenartenvielfalt in den von Bromus dominierten Kalkmagerrasenbest√§nden gef√ľhrt. Gleichzeitig konnte in Probefl√§chen mit lediglich sehr geringer Deckung der Art eine erh√∂hte Diversit√§t spezialisierter Zikadenarten nachgewiesen werden. Da zu erwarten ist dass sich Bromus erectus im Zuge des Klimawandels weiter ausbreiten wird, kann auf lange Sicht ohne gezieltes Management mit noch weitreichenderen Folgen f√ľr die Pflanzen- und Arthropodenvielfalt in Kalkmagerrasen gerechnet werden. Um den negativen Auswirkungen dieser Entwicklung entgegenzusteuern, sollten in den betroffenen Best√§nden angepasste Pflegema√ünahmen wie z.B. eine saisonale Intensivierung der Beweidung oder Brandmanagement erprobt werden.

Poniatowski, D., Hertenstein, F., Raude, N., Gottbeh√ľt, K., Nickel, H. & T. Fartmann (2018): The invasion of Bromus erectus alters species diversity of vascular plants and leafhoppers in calcareous grasslands. Insect Conservation and Diversity 11: 578–586. doi: doi.org/10.1111/icad.12302s.de

Gro√üe Bedeutung von Allmendweiden f√ľr eine gef√§hrdete Singvogelart

Allmendweide, Traditionelle Landnutzung, Baumpieperhabitat
Allmendweide in der prä-alpinen Agrarlandschaft Oberbayerns

[07. Mai 2018] Agrarlandschaften spielen eine wichtige Rolle f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t in Europa. Jedoch lassen sich f√ľr viele agrartypische Arten weiterhin dramatische Bestandseinbr√ľche dokumentieren. Dies ist vor allem eine Folge des Landnutzungswandels, der in Mitteleuropa zu einer zunehmenden Homogenisierung der Landschaft gef√ľhrt hat. Dadurch wird beispielsweise das Angebot geeigneter Habitatstrukturen f√ľr Feldv√∂gel stark eingeschr√§nkt. Gleichzeitig f√ľhrt diese Entwicklung heute zu einer zunehmenden Limitierung des Nahrungsangebots. Der Baumpieper (Anthus trivialis) war fr√ľher eine sehr weit verbreitete Art europ√§ischer Agrarlandschaften. Seit den 1980er-Jahren lie√üen sich jedoch vielerorts dramatische Bestandseinbr√ľche verzeichnen. Die Brutbest√§nde haben in den letzten 30 Jahren bundesweit um mehr als 50 % abgenommen. In einem Artikel in der Fachzeitschrift Journal of Ornithology konnte nun die herausragende Bedeutung von Allmendweide-√Ėkosystemen f√ľr den Baumpieper nachgewiesen werden. Im Vergleich zu der umgebenden Agrarlandschaft wiesen die besiedelten Reviere in den Allmenden eine h√∂here Landschaftsheterogenit√§t auf. Die geringe Landnutzungsintensit√§t in diesen traditionellen sozi-√∂kologischen Systemen gew√§hrleistet der Art die Verf√ľgbarkeit geeigneter Habitatstrukturen und eines ausreichenden Nahrungangebots. Da neben dem Baumpieper viele weitere naturschutzrelevante Arten von der traditionellen Allmendweidewirtschaft profitieren, sollte diese Landnutzungsform auch zuk√ľnftig dringend aufrechterhalten und intensiv gef√∂rdert werden.

Schwarz, C., Trautner, J. & T. Fartmann (2018): Common pastures are important refuges for a declining passerine bird in a pre-alpine agricultural landscape. Journal of Ornithology 159: 945–954. doi: doi.org/10.1007/s10336-018-1561-0

Umweltministerium NRW fördert Literaturstudie zum Insektensterben

Wildbienen, Insektensterben, Bestäubungsökologie
Schmuckbiene (Epeoloides coecutiens)

[16. M√§rz 2018] Das Ministerium f√ľr Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) f√∂rdert eine Literaturstudie zur Untersuchung der Ursachen des Artensterbens und Biomasseverlustes bei Insekten. In Nordrhein-Westfalen werden aktuell 55 % der Schmetterlinge, 52 % der Wildbienen und Wespen, 48 % der Heuschrecken und 45 % der Libellen auf der Roten Liste der gef√§hrdeten Pflanzen, Pilze und Tiere des Landes NRW gef√ľhrt. Durch langj√§hrige Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld konnte empirisch belegt werden, dass die Fluginsekten-Biomasse in Nordrhein-Westfalen seit 1989 um bis zu 80 % abgenommen hat. Insekten nehmen eine Schl√ľsselfunktion in √Ėkosystemen ein. Einerseits leisten sie durch die Best√§ubung von Bl√ľtenpflanzen, darunter auch viele Nutzpflanzen, unverzichtbare √Ėkosystemdienstleistungen. Dar√ľber hinaus sind sie eine bedeutende Nahrungsquelle f√ľr viele Vogelarten. Das massive Insektensterben hat somit weitreichende Folgen f√ľr die Stabilit√§t der √Ėkosysteme Mitteleuropas. Vor diesem Hintergrund besteht dringender Handlungsbedarf, dem Verlust der Insekten entgegenzusteuern. Um gezielte Ma√ünahmen einleiten zu k√∂nnen, m√ľssen zuvor die bestehenden Wissensl√ľcken √ľber die Gr√ľnde des R√ľckgangs der Insekten geschlossen werden. Im Rahmen der nun gef√∂rderten Literaturstudie wird ein umfassender, √∂kosystem√ľbergreifender √úberblick √ľber die vielf√§ltigen Ursachen des Insektensterbens erarbeitet. Die Ergebnisse der Recherchen sollen den wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Arten- und Biomasseverlust der Insekten verbessern und dienen als Diskussionsgrundlage f√ľr politische Entscheidungstr√§ger.