Thomas Fartmann | Biodiversität und Landschaftsökologie



Aktuelles

Neues Forschungsprojekt zum nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen im Kaiserstuhl

Renaturierungsflaeche
Mosaikartig gemanagte Magerrasen mit Altgrasstreifen im Zentralen Kaiserstuhl

[02. Juli 2020] Kalkmagerrasen sind durch eine hohe Biodiversität gekennzeichnet und zählen aufgrund ihrer großen Bedeutung für den Artenschutz in Europa zu den prioritären Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Sie sind durch jahrhundertelange extensive Landnutzung entstanden und auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen. In Zeiten von Landnutzungs- und Klimawandel ist es jedoch schwierig abzuschätzen, welche Varianten des Habitatmanagements den größten Erfolg erzielen. Bisher fehlen wissenschaftliche Studien, die die Auswirkungen verschiedener Managementvarianten zum Erhalt der Biodiversität unter den veränderten Bedingungen des globalen Wandels in Kalkmagerrasen vergleichend evaluieren. Zu diesem Zweck fördert die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg ein neues Forschungsprojekt im Kaiserstuhl. Das Vulkangebirge, das aufgrund seiner besonderen geographischen Lage im Oberrheingraben und somit im Regenschatten der Vogesen thermisch stark begünstigt ist, zeichnet sich durch eine außergewöhnlich artenreiche Fauna und Flora in großflächigen, national bedeutsamen Kalkmagerrasen aus. Seit vielen Jahren wird ein breitgefächertes Habitatmanagement in den Kalkmagerrasen praktiziert, um den negativen Auswirkungen von Nutzungsaufgabe, Klimawandel und Stickstoffeinträgen auf die Lebensgemeinschaften zu begegnen. Gemeinsam mit der ABL – Arten Biotope Landschaft – Bürogemeinschaft für Landschaftsökologie in Freiburg werden wir auf der Grundlage von umfangreichen Erhebungen am Kaiserstuhl wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen erarbeiten. Anhand von verschiedenen Artengruppen, wie Gefäßpflanzen, Heuschrecken, Laufkäfern und Tagfaltern/Widderchen, die allesamt als exzellente Indikatoren für die Habitatqualität von Kalkmagerrasen gelten, werden während der zweijährigen Projektlaufzeit bis März 2022 sieben Varianten des Habitatmanagements miteinander verglichen. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sollen durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene vermittelt werden. Zum Auftakt des Projektes besichtigte Umweltminister Franz Untersteller die Untersuchungsflächen.

Aussterbeschuld in Kalkmagerrasen: Studie liefert Hinweise für zeitverzögertes Artensterben

Renaturierungsflaeche
Großflächiger Kalkmagerrasen in der Eifel

[29. Juni 2020] Infolge des Landnutzungswandels haben die europäischen Kalkmagerrasen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts erhebliche Flächenverluste erlitten. Obwohl sie seit der Einführung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im Jahr 1992 europaweit geschützt sind, ist der Fortbestand der Biodiversität in Kalkmagerrasen vielerorts weiterhin gefährdet. Es gibt vermehrt wissenschaftliche Belege dafür, dass Arten verschiedener taxonomischer Gruppen zeitverzögert auf Habitatfragmentierung reagieren. Dieses Phänomen wird als „Aussterbeschuld“ bezeichnet und stellt Naturschutzpraktiker vor neue Herausforderungen. In einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Biological Conservation wurde untersucht, ob die rezente Artenvielfalt von Pflanzen, Tagfaltern und Heuschrecken besser durch historische oder aktuelle Landschaftsbedingungen in Kalkmagerrasen erklärt wird. In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Flächengröße und die Konnektivität der untersuchten Habitatfragmente in der Eifel zwischen 1970 und 1990 stark abgenommen haben, wohingegen sich die Habitatfragmentierung in den zurückliegenden 30 Jahren deutlich verlangsamt hat. Dennoch konnten zwischen der heutigen Pflanzen- und Tagfalterdiversität und der historischen Flächengröße/Konnektivität der Habitate stärkere Zusammenhänge ermittelt werden als es unter Einbeziehung aktueller Landschaftsbedingungen der Fall war. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass zahlreiche Arten, trotz des aktuell guten Erhaltungszustands, der Kalkmagerrasen im Untersuchungsgebiet verspätet aussterben könnten. Es kann weiterhin davon ausgegangen werden, dass die Artenvielfalt ohne die intensivierten Schutzbemühungen seit Beginn der 1990er-Jahre bereits jetzt auf einem deutlich niedrigeren Niveau wäre. Im Gegensatz zu Pflanzen und Tagfaltern scheint das Vorkommen artenreicher Heuschreckengemeinschaften etwas weniger sensibel gegenüber der Habitatfragmentierung zu sein und eher von einer hohen Habitatqualität abzuhängen. Um einen zukünftigen Rückgang der Artenvielfalt in Kalkmagerrasen zu verhindern, sollten großflächige Habitate durch den Erhalt einer traditionellen Landnutzung gefördert werden. Darüber hinaus können Renaturierungsmaßnahmen dazu beitragen, die Ausbreitung von Arten und den Fortbestand der Biodiversität der Kalkmagerrasen langfristig sicherzusetellen. Die Studie wurde durch ein Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Löffler, F., Poniatowski, D. & Fartmann, T. (2020): Extinction debt across three taxa in well-connected calcareous grasslands. Biological Conservation 246: 108588. doi.org/10.1016/j.biocon.2020.108588

Renaturierung von Kalkmagerrasen: Frühe Sukzessionsstadien fördern die Biodiversität

Renaturierungsflaeche
Artenreiche Renaturierungsfläche

[25. Mai 2020] Die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen führt häufig zur Ausbreitung weniger, konkurrenzstarker Grasarten und einer starken Verbuschung von Flächen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Erhaltungszustand von Graslandhabitaten zu verbessern, werden daher zunehmend Renaturierungsprojekte initiiert. Im Kontext des E+E-Vorhabens „Nachhaltige Renaturierung von Kalkmagerrasen in Zeiten des globalen Wandels: Artenschutz und Ökonomie im Einklang“ (gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz – BfN) wurden bereits durchgeführte Entbuschungsmaßnahmen auf brachliegenden Kalkmagerrasen umfassend evaluiert. Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift Ecological Engineering veröffentlichten Studie verdeutlichen, dass die Entbuschungsflächen auf vielfältige Weise eine Bereicherung für die Biodiversität der Kalkmagerrasen-Komplexe darstellen. So tragen sie unter anderem zu einer höheren Habitatheterogenität bei, die als Schlüsselfaktor für eine hohe Artenvielfalt angesehen wird. Entbuschungsflächen mit ihrer relativ hohen und dichten Vegetation sind aber auch aus Sicht des Klimawandels ein Gewinn, da sie aufgrund des kühleren Mikroklimas dürreempfindlichen Arten Ausweichmöglichkeiten bieten. Bemerkenswert sind zudem die Vorkommen einiger seltener Pflanzenarten wie dem Deutschen Ziest (Stachys germanica) sowie der hohe Anteil an Pollenquellen für spezialisierte Wildbienenarten und Wirtspflanzen für Zikaden- und Tagfalterarten. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich zukünftige Entbuschungsmaßnahmen möglichst auf flachgründige, aber nicht zu steile Hänge konzentrieren sollten. Vorteilhaft sind geringe Nährstoffgehalte und eine gute Besonnung. Auf derartigen Standorten sind die Chancen am größten, dass sich typische Kalkmagerrasenarten und charakteristische Arten der wärmeliebenden Säume ansiedeln und langfristig etablieren können.

Poniatowski, D., Stuhldreher, G., Helbing, F., Hamer, U. & Fartmann, T. (2020): Restoration of calcareous grasslands: The early successional stage promotes biodiversity. Ecological Engineering 151: 105858. doi.org/10.1016/j.ecoleng.2020.105858

Studie zeigt Lösungsansätze für den globalen Insektenschutz auf

warzenbeißer
Ackerhummel (Bombus pascuorum)

[11. Mai 2020] Insekten spielen weltweit eine herausragende Rolle für die Funktionalität von Ökosystemen. Zudem erfüllen sie wichtige Ökosystemdienstleistungen, wie die Bestäubung von Pflanzen oder die Selbstreinigung von Gewässern. Obwohl die Bemühungen des Naturschutzes in den letzten Jahrzehenten vielerorts intensiviert wurden, hat das globale Insektensterben dramatische Ausmaße angenommen. In einer jüngst in der Fachzeitschrift Biological Conservation veröffentlichten Studie stellt ein internationales Team aus 27 Wissenschaftler/-innen unter Beteiligung von apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann Strategien und globale Lösungsansätze vor, die dabei helfen können, dem fortwährenden Insektenrückgang entgegenzuwirken. Der Maßnahmenkatalog umfasst Handlungsvorschläge für Wälder, Offenlandhabitate, Süßgewässer, Agrarlandschaften sowie urbane Lebensräume. Generell ist es unerlässlich, die zeitliche und räumliche Heterogenität von Landschaften zu erhöhen. Strukturreiche Lebensräume müssen erhalten und besser vernetzt werden. Dabei sollte großflächig eine nachhaltigere Land- und Forstwirtschaft betrieben und eine bessere Regulation und Prävention von Umweltrisiken gewährleistet werden. Zudem sollte der Wert von Insekten für die Menschheit in den Medien und der Schulbildung verstärkt kommuniziert werden. Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, sowie ein verstärktes Einbinden von Citizen Science-Projekten könnten dabei helfen, Vorbehalte gegenüber Insekten abzubauen um die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen in der Gesellschaft zu erhöhen. Erfolge von Maßnahmen können nur durch geeignete Monitoring-Programme evaluiert werden. Diese sollten weltweit ausgeweitet werden. Globale Datenbanken und eine verbesserte Vernetzung von Akteuren aus der Wissenschaft und Naturschutzpraxis können die internationale Zusammenarbeit im Insektenschutz entscheidend fördern.

Samways, M.J., Barton, P.S., Birkhofer, K., Chichorro, F., Deacon, C., Fartmann, T. et al. (2020): Solutions for humanity on how to conserve insects. Biological Conservation 242: 108427. doi.org/10.1016/j.biocon.2020.108427

Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols:
2. Auflage des erfolgreichen Feldführers erschienen

warzenbeißer
Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

[01. April 2020] Heuschrecken sind vorwiegend herbivore Insekten, die eine enge Bindung an ihre Lebensräume aufweisen und zudem eine bedeutende Nahrungsquelle für Wirbeltiere und räuberische Arthropoden darstellen. Weiterhin gelten sie als hervorragende Bioindikatoren, die aufgrund des sehr guten ökologischen Kenntnisstandes und der standardisierbaren Erfassungsmethoden optimal für naturschutzfachliche Bewertungen geeignet sind. Die Vermittlung von Artenkenntnis sowie die kontinuierliche Erhebung umfassender Daten bedürfen aktueller und praxistauglicher Bestimmungsliteratur. Im Jahr 2016 erschien unter Beteiligung von apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann und Dr. Dominik Poniatowski der Feldführer Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen – Beobachten – Schützen, herausgegeben von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) im Quelle & Meyer Verlag. Im ersten Teil des Buches werden grundlegende Kenntnisse über Heuschrecken zusammengefasst (u.a. Körperbau, Biologie, Lebensraumansprüche, Gefährdung). Im Anschluss folgen übersichtliche Bestimmungstafeln und Artkapitel zu allen 85 in Deutschland und Nordtirol nachgewiesenen Arten. Hervorzuheben sind die hochqualitativen Fotos, auf denen auch kleinste Details scharf dargestellt und durch textliche Hinweise erläutert werden. Jede Art wird anhand ihrer Merkmale und ihres Gesangs beschrieben. Ergänzt wird dies durch Informationen zu Gefährdungsstatus, Verbreitung und Lebensraum sowie Entwicklung und Phänologie. Die Verbreitung der Arten wird zudem in aktuellen Karten dargestellt. Die starke Nachfrage ermöglichte nun eine aktualisierte Neuauflage des Feldführers. Neben kleineren Korrekturen wurden die Texte vor allem mit Blick auf neue taxonomische Erkenntnisse sowie veränderte Areale von sich im Zuge des Klimawandels ausbreitenden Heuschreckenarten überarbeitet. Darüber hinaus wurden viele Verbreitungskarten aktualisiert und Detailfotos wichtiger Bestimmungsmerkmale optimiert.

Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., Fartmann, T., Beckmann, A. & C. Stettmer (2020): Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen – Beobachten – Schützen. 2. Aufl., Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 372 S.

Studie warnt vor gesellschaftlichen Folgen des globalen Insektenrückgangs

steinschmaetzer
Dukatenfalter (Lycaena virgaureae)

[26. März 2020] Das Ausmaß des Insektensterbens ist nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen weitaus größer als bislang angenommen. Seit Beginn der Industrialisierung sind demnach weltweit bereits bis zu 500.000 Insektenarten ausgestorben. Aufgrund dieser dramatischen Entwicklung warnt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Biological Conservation vor den gesellschaftlichen Folgen des globalen Insektenrückgangs. Das Team aus 25 Wissenschaftler/-innen hat hierzu alle relevanten Studien verschiedenster Insektentaxa der vergangenen Jahrzehnte in ihre Betrachtungen einbezogen. Die Ergebnisse dieser Metaanalyse belegen, dass es sich beim Insektensterben um ein globales Phänomen handelt. Dabei wird angenommen, dass die Hälfte der in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedrohten Arten Insekten sein werden. Sollte sich der negative Bestandstrend ungebremst fortsetzen, sind nach Ansichten des Autorenteams nicht nur Auswirkungen auf die Funktionalität der globalen Ökosysteme sondern auch gravierende gesellschaftliche Folgen zu erwarten. Insekten erfüllen volkswirtschaftlich bedeutende Ökosystemdienstleistungen wie beispielsweise Bestäubung, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die Gewinnung neuer Medikamente. Auch wenn weiterhin dringender Forschungsbedarf zu den Ursachen des Insektenrückgangs besteht, sind bereits jetzt genügend Erkenntnisse vorhanden, um umfassende Maßnahmen zum Insektenschutz zu ergreifen. Diese Maßnahmen sollten primär darauf ausgerichtet sein, durch eine Extensivierung der Landnutzung flächendeckend strukturreiche Lebensräume zu erhalten und den Biotopverbund zu fördern. Durch die Erhöhung der Landschaftsheterogenität erhöhen derartige Maßnahmen auch die Resilienz von Ökosystemen gegenüber anderen Gefährdungsfaktoren wie z. B. dem Klimawandel.

Cardoso, P., Barton, P. S., Birkhofer, K., Chichorro, F., Deacon, C., Fartmann, T. et al. (2020): Scientists’ warning to humanity on insect extinctions. Biological Conservation 242: 108426. doi.org/10.1016/j.biocon.2020.108426

»Medienberichterstattung: Süddeutsche Zeitung, Spektrum der Wissenschaft, RiffReporter

Wildkaninchen als Schlüsselfaktor für das Vorkommen des Steinschmätzers in Küstendünen

steinschmaetzer
Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)

[03. Februar 2020] Der Verlust nährstoffarmer Lebensräume mit kurzrasiger Vegetation hat zu massiven Bestandsrückgängen vieler Vogelarten des Offenlandes geführt. Der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) gehört zu diesen Arten und ist demzufolge heute in Deutschland vom Aussterben bedroht. Ein Großteil der mitteleuropäischen Bestände brütet heutzutage in stark anthropogen überformten Lebensräumen wie Tagebaulandschaften, Truppenübungsplätzen, Abtorfungsflächen, Weinbergen oder Industrieanlagen. Daneben gibt es einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt in den Küstendünen der Ostfriesischen Inseln Niedersachsens. Besonders der Insel Norderney kommt aufgrund hoher Brutdichten eine besondere Verantwortung für den Schutz des Steinschmätzers zu. Typisch für die Insel ist eine hohe Dichte an Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), die durch ihre grabende Tätigkeit und durch Verbiss ihre Lebensräume nachhaltig verändern. Demgegenüber stehen sehr niedrige Brutpaarzahlen des Steinschmätzers auf kaninchenfreien Inseln. In einer jüngst in der Fachzeitschrift Ecological Engineering publizierten Studie wurde nun erstmals der Einfluss der Wildkaninchen als Ökosystem-Ingenieure auf die Populationsdichte des Steinschmätzers systematisch untersucht. Die Ergebnisse belegen eine enge Beziehung zwischen den Aktivitäten des Kaninchens und dem Vorkommen des Steinschmätzers, die über die alleinige Bereitstellung von Höhlen als Brutplatz deutlich hinausgeht. Die Tiere schaffen durch die Grabetätigkeit und den intensiven Verbiss zusätzlich kurzrasige und störstellenreiche Nahrungshabitate für den Steinschmätzer. Ohne die Wildkaninchen hätten die Ostfriesischen Inseln daher wohl kaum eine Bedeutung als Lebensraum für den Steinschmätzer. Die Studie wurde durch ein Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) finanziert.

Kämpfer, S. & T. Fartmann (2019): Breeding populations of a declining farmland bird are dependent on a burrowing, herbivorous ecosystem engineer. Ecological Engineering 140: 105592. doi: doi.org/10.1016/j.ecoleng.2019.105592

Bundesumweltministerium fördert Projekt zur insektenfreundlichen Grünlandbewirtschaftung

stethophyma_grossum
Sumpfschrecke (Stethophyma grossum)

[23. Januar 2020] Aufgrund des fortwährenden Insektenrückgangs hat das Bundesumweltministerium damit begonnen, konkrete Maßnahmen zum Insektenschutz durch die Förderung beispielhafter Projekte voranzutreiben. Der Erfolg dieser Maßnahmen soll dabei durch innovative Forschungsansätze überprüft werden. Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche wurde durch Bundesumweltministerin Svenja Schulze nun der Förderbescheid für eines der ersten Praxisprojekte zum Insektenschutz überreicht. Gemeinsam mit der Stiftung KulturLandschaft Günztal und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werden wir in diesem Forschungsvorhaben die Wirkung einer nachhaltigen Landwirtschaft für den Insektenschutz in einem der größten Grünlandgebiete Deutschlands evaluieren. Dabei sollen insektenfreundliche Bewirtschaftungsmethoden in eine breite Anwendung gebracht werden und so dazu beitragen, die Funktionsfähigkeit des Biotopverbunds nachhaltig zu verbessern. Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird dabei durch das Monitoring ausgewählter Insektenarten, ergänzt durch populationsgenetische Analysen, umfassend bewertet. Basierend auf den Erkenntnissen des Projektes werden bundesweit repräsentative Empfehlungen erarbeitet, wie der Insektenschutz in intensiv genutzten Agrarlandschaften zukünftig umgesetzt werden kann. Dabei setzt das Projekt besonders auf eine intensive Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und eine ökonomische Tragfähigkeit der Maßnahmen. Während der 6-jährigen Projektlaufzeit werden die zentralen Forderungen des Aktionsprogramms Insektenschutz konkretisiert und in die Praxis umgesetzt. Das Vorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert und inhaltlich durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet.

»Weitere Informationen zum Projekt: Insektenfreundliches Günztal – naturschonende Grünlandwirtschaft im Biotopverbund

»Pressemitteilung der Universität Osnabrück

Fahrplan zum globalen Insektenschutz erschienen: Internationales Team stellt Maßnahmen vor

Parnassius apollo
Apollofalter (Parnassius apollo)

[09. Januar 2020] Der weltweite Insektenrückgang hat ein bisher unbekanntes Ausmaß erreicht. Ein internationales Team von mehr als 70 Wissenschaftler/-innen unter Beteiligung von apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann hat nun ein Konzept erstellt, wie man dieser Entwicklung entgegenwirken kann. Der Fahrplan zum globalen Insektenschutz ist in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution erschienen. Er umfasst Maßnahmen, die sowohl aus ökologischer als auch gesellschaftlicher Sicht sinnvoll sind und betont zudem die Notwendigkeit eines standardisierten Monitorings zur Erfassung der weltweiten Insektenbestände. „Der Fahrplan zum globalen Insektenschutz zielt darauf ab, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, die dem weltweiten Insektenrückgang entgegenwirken“, betont der Initiator der Studie Professor Jeff Harvey vom Niederländischen Institut für Ökologie (NIOO-KNAW) und der Universität Amsterdam (VU Amsterdam). Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Insektenarten weltweit unter anthropogen bedingten Umweltveränderungen leiden. Mit dem Fahrplan zum globalen Insektenschutz soll der aktuelle Wissensstand zum Insektenrückgang zusammengetragen und im Austausch mit verschiedenen Interessensgruppen wie Politik, Landwirtschaft und Naturschutz möglichst in die Praxis übertragen werden. Das Konzept umfasst Handlungsschritte, die unmittelbar, mittelfristig und langfristig zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Insektenfauna beitragen sollen. Basierend auf dem aktuellen Kenntnisstand können bereits jetzt Schutzmaßnahmen ergriffen werden, die dazu beitragen, Lebensräume für Insekten und strukturreiche Landschaften zu fördern und wiederherzustellen. Es werden jedoch mittelfristig neue Forschungsaktivitäten erforderlich sein, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen den Ursachen des Insektensterbens mit innovativen Ansätzen untersuchen. Durch den Aufbau öffentlich-privater Partnerschaften und nachhaltiger Finanzierungskonzepte können Maßnahmen zum Insektenschutz langfristig gesichert werden. Die Entwicklung der weltweiten Insektenbestände und der Erfolg dieser Maßnahmen sollten global durch ein standardisiertes Monitoring überprüft werden.

Harvey, J.A., Heinen, R., [...], Fartmann, T. et al. (2020): International scientists formulate a roadmap for insect conservation and recovery. Nature Ecology & Evolution 4: 174–176. doi.org/10.1038/s41559-019-1079-8

» Pressemitteilung der Universität Osnabrück

Pflanzen profitieren von Habitatheterogenität in Regenrückhaltebecken

Centaurium pulchellum
Kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum)

[15. November 2019] Die weltweit zunehmende Urbanisierung stellt eine der größten Herausforderungen für den Erhalt der Biodiversität dar. Der rasante Flächenverbrauch führt dabei häufig zu einer Zerstörung naturnaher Lebensräume. Da städtische Gewässer aus Gründen des Hochwasserschutzes oder infolge industrieller Nutzung hydro- und morphologisch stark verändert wurden, sind Gewässerökosysteme besonders von dieser Entwicklung betroffen. Mit der Degradierung der urbanen Gewässer und der zunehmenden Flächenversiegelung steigt zudem die Hochwassergefahr in Städten an. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden in den letzten Jahrzehnten verstärkt Regenrückhaltebecken angelegt. Neueste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass diese neuartigen Ökosysteme nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, sondern auch eine hohe Bedeutung als Lebensraum für gefährdete Tierarten haben können. Im Rahmen einer nun publizierten Studie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Ecological Engineering wurde nun erstmals die Bedeutung von städtischen Regenrückhaltebecken für die Phytodiversität systematisch untersucht. Dazu wurde die Pflanzenartenvielfalt an 35 Regenrückhaltebecken und 35 Kontrollgewässern vergleichend analysiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchung belegen, dass aquatische, salztolerante und gefährdete Pflanzen an den Regenrückhaltebecken in höheren Artenzahlen vorkamen. Die Habitatheterogenität konnte als einer der entscheidenden Umweltfaktoren für die höhere Phytodiversität an diesen Gewässern ermittelt werden. Aufgrund der flachen Uferstruktur und der größeren Flächenausdehnung waren terrestrische, semiaquatische und aquatische Habitatstrukturen an Regenrückhaltebecken gleichermaßen gut ausgebildet. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass das regelmäßige Management der Becken Habitatbedingungen fördert, welche die Keimung der Samen und die Etablierung konkurrenzschwacher, gefährdeter Pflanzenarten begünstigen. Demzufolge sollten bei der Anlage und Pflege von Regenrückhaltebecken Belange des Biodiversitätsschutzes verstärkt berücksichtigt werden.

Holtmann, L., Kerler, K., Wolfgart, L., Schmidt, C. & T. Fartmann (2019): Habitat heterogeneity determines plant species richness in urban stormwater ponds. Ecological Enigineering 138: 434–443. doi: doi.org/10.1016/j.ecoleng.2019.07.035

Libellen als Indikatoren zur Evaluation der Renaturierung von Hochmooren

Leucorrhinia dubia
Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)

[17. September 2019] Hochmoore sind Lebensraum vieler gefährdeter Arten und erfüllen gleichzeitig wichtige Ökosystemfunktionen. Da Moore zu den bedeutendsten globalen Kohlenstoffspeichern gehören, muss dem Erhalt dieser Ökosysteme weltweit eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Jedoch ist der Fortbestand von Moorökosystemen durch den Landnutzungswandel vielerorts stark bedroht. Auf Grund großflächiger Kultivierungsmaßnahmen im Zuge der landwirtschaftlichen Intensivierung ist die Fläche intakter Hochmoore in Mitteleuropa bis heute auf 1 % ihrer ursprünglichen Ausdehnung geschrumpft. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität degradierter Moorökosysteme in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Naturschutzpraxis gerückt sind. Jedoch gibt es bisher nur wenige wissenschaftlich fundierte Studien, die die Auswirkungen der Renaturierung in Hochmooren systematisch untersucht haben. Da Libellen als Surrogat-Arten aquatischer Ökosysteme gelten, wurden sie in einer aktuellen Publikation als Modellorganismen zur Evaluation von Wiedervernässungmaßnahmen in Abtorfungsflächen herangezogen. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der Renaturierungserfolg maßgeblich von der Landnutzungsgeschichte der wiedervernässten Hochmoorstandorte abhängt. Während Standorte auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Abtorfungsflächen durch einen hohen Nährstoffreichtum gekennzeichnet waren, wiesen industriell abgetorfte Moore ohne landwirtschaftliche Vornutzung nährstoffarme Umweltbedingungen auf. Demzufolge konnten für die Probeflächen Unterschiede in der Artzusammensetzung der Libellen festgestellt werden. So wiesen Renaturierungsflächen auf nährstoffarmen Standorten ähnliche viele Hochmoorspezialisten wie die Kontrollgewässer auf, während die nährstoffreicheren Standorte stärker durch das Vorkommen von Zwischenmoorarten geprägt waren. Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass der Erfolg der Hochmoorrenaturierung vor allem durch das Nährstoffniveau limitiert wird. Jedoch deuten die Ergebnisse der Studie zugleich daraufhin, dass auch die Wiedervernässung nährstoffreicher Hochmoorstandorte zum Erhalt artenreicher Libellengemeinschaften in degradierten Hochmooren beitragen kann. Folglich sollten Wiedervernässungsmaßnahmen in ehemaligen Torfabbaugebieten verstärkt gefördert werden.

Krieger, A., Fartmann, T. & D. Poniatowski (2019): Restoration of raised bogs – Land-use history determines the composition of dragonfly assemblages. Biological Conservation 237: 291–298. doi: doi.org/10.1016/j.biocon.2019.06.032.

Forschung zu Insekten- und Vogelbeständen in extensiv genutzten Graslandhabitaten

Salbei-Glatthaferwiesse
Artenreiche Salbei-Glatthaferwiese

[03. September 2019] Insekten bilden weltweit die artenreichste Gruppe aller Lebewesen. In den vergangenen Jahrzehnten haben jedoch sowohl die Artenvielfalt der Insekten als auch deren Biomasse in Mitteleuropa drastisch abgenommen. Der Rückgang der Insektenbiomasse zieht weitreichende ökologische Konsequenzen nach sich, da er sich kaskadenartig auf Organismen höherer trophischer Ebenen auswirkt. Für einige insektenfressende Vogelarten sind diese Zusammenhänge bereits gut belegt. Um den Einfluss der Insektenbiomasse auf gesamte Brutvogelgemeinschaften wissenschaftlich quantifizieren und evaluieren zu können, sind jedoch umfassende Studien erforderlich. Zu diesem Zweck unterstützt die Stöckmann-Stiftung zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz ein neues Forschungsvorhaben, mit welchem der wissenschaftliche Kenntnisstand über Zusammenhänge zwischen Insekten- und Vogelbeständen in extensiv genutzten Graslandhabitaten verbessert werden soll. Das Untersuchungsprogramm basiert auf einem komparativen Ansatz, in dem Kalkmagerrasen und mesophiles Grasland als Relikte einer extensiven Landnutzung in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft vergleichend analysiert werden. Dazu werden auf mehr als 50 Untersuchungsflächen im Diemeltal im westfälisch-hessischen Grenzgebiet Brutvögel- und Heuschrecken standardisiert erfasst. Anhand dieser Datengrundlage sollen Kausalitäten zwischen Insektenfauna und Vogelwelt hergestellt und entscheidende Umweltparameter für den Artenreichtum der untersuchten Lebensräume aufgeschlüsselt werden Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden, nachhaltigen Management von Graslandhabitaten. Der Schwerpunkt soll hierbei auf Maßnahmen zur Förderung der Insektenfauna als Grundlage für arten- und individuenreiche Vogelgemeinschaften sein. Das Forschungsvorhaben besitzt Modellcharakter für viele Regionen Mitteleuropas. Durch die Publikation der Ergebnisse sollen praxisorientierte Wissenschaftler/-innen und Landschaftsplaner/-innen von der regionalen bis zur internationalen Ebene erreicht werden, die die Erkenntnisse des Projektes nutzen können.

OrthopteraWeb: Beobachtungsportal für Fang- und Heuschrecken in Deutschland online

Omocestus_rufipes
Buntbäuchiger Grashüpfer (Omocestus rufipes)

[01. August 2019] Seit Kurzem ist OrthopteraWeb – Das deutsche Heuschreckenportal online verfügbar. Das Portal wurde im Rahmen des Projektes „WerBeo“ in Kooperation mit der Universität Rostock und dem DUENE e.V. Greifswald entwickelt. Mit OrthopteraWeb möchten wir möglichst viele in Deutschland verfügbare Heuschreckenfunde bündeln und sichtbar machen. Bislang wurden mehr als 140.000 Datensätze im System hinterlegt. Anhand dieser Daten lässt sich die Verbreitung der Arten schon gut nachvollziehen. Bei vielen Arten gibt es aber nach wie vor große Erfassungslücken. Es mangelt zurzeit insbesondere an aktuellen Daten. „WerBeo als bundesweiter Datenspeicher soll bislang verteilt vorliegende Beobachtungsdaten zu verschiedenen Tier- und Pflanzenarten zusammenführen und öffentlich zugänglich machen. Anhand einer verbesserten Datenbasis können wir in Zukunft schneller Rückschlüsse auf den Zustand und die Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland ziehen und entsprechend handeln,“ betont Bundesumweltministerin Svenja Schulze in einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz. Wir möchten Sie daher herzlich dazu einladen, aktuelle Heuschreckenfunde über das Portal zu melden. Denn nur anhand historischer und aktueller Verbreitungsdaten lassen sich mögliche Arealveränderungen und Rückschlüsse auf Gefährdungsursachen nachvollziehen. „Mit OrthopteraWeb ermöglichen wir unseren Nutzern, ihre Beobachtungen zu erfassen, Daten zu exportieren und Informationen über die Verbreitung von Arten zu recherchieren. Es können dabei neben Heuschrecken auch Funde von Fangschrecken im Portal eingeben werden,“ berichtet Projektkoordinator Dominik Poniatowski. Eine Erweiterung des Portals für Schaben und Ohrwürmer befindet sich derzeit in Umsetzung. Für die Optimierung der mobilen Dateneingabe im Gelände wird voraussichtlich im Jahr 2020 eine Smartphone-App erscheinen. Das Vorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesumweltministerium gefördert und durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fachlich betreut.

Registrierung online unter: daten.heuschrecken-portal.de

Klimawandel führt zu Veränderungen in Heuschreckengemeinschaften im montanen Grasland

Melanargia galathea
Roesels Beißschrecke (Roeseliana roeselii)

[08. Juli 2019] Der Einfluss des Klimawandels auf die Biodiversität steht zunehmend im wissenschaftlichen Interesse. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der Klimawandel zukünftig die Hauptursache für den Verlust der weltweiten Artenvielfalt sein wird. Durch die komplexe Wirkungsweise des Klimawandels im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren, werden Anpassungsmaßnahmen seitens des Naturschutzes notwendig. Bisher fehlen jedoch für viele Artengruppen wissenschaftliche Grundlagen, wie sich klimatische Veränderungen auf Arten und deren Lebensräume auswirken. Es ist deshalb häufig unklar, welche Maßnahmen eingesetzt werden können, um die Biodiversität in mitteleuropäischen Ökosystemen langfristig zu erhalten. Während an kältere und feuchte Umweltbedingungen angepasste Organismen durch den Klimawandel zunehmend gefährdet sind, hat der rezente Temperaturanstieg in Mitteleuropa zur Ausbreitung thermophiler Arten geführt. Die Ergebnisse einer neu publizierten Studie in der Fachzeitschrift Biological Conservation belegen, dass die Arealerweiterung wärmeliebender Heuschreckenarten in höhere Lagen der Eifel zu Verschiebungen in den Artgemeinschaften montaner Grasland-Ökosysteme geführt hat. Durch die Ausbreitung dieser Arten hat sich die Artenzahl in Lebensräumen mit einer hohen Habitatqualität sogar erhöht. Im brachliegenden Feuchtgrasland konnte hingegen keine Veränderung der mittleren Artenzahl festgestellt werden. Weiterhin wird die Ausbreitung spezialisierter Arten in vielen Landschaften Mitteleuropas durch die starke Isolation der Lebensräume limitiert. Um zu quantifizieren, in welchem Maße die festgestellten Veränderungen klimainduziert sind, wurde ein Temperatur-Index angewandt, der das Wärmebedürfnis der vorkommenden Arten abbildet. Da für einige Heuschreckenarten im Zuge des Klimawandels langfristig auch negative Bestandstrends prognostiziert werden, gilt es frühzeitig Maßnahmen zu etablieren, die die Anpassungskapazität der Grasland-Ökosysteme gegenüber dem Klimawandel erhöhen und dazu beitragen die Artenvielfalt im Grasland langfristig zu erhalten. Die Studie wurde durch ein Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Löffler, F., Poniatowski, D. & T. Fartmann (2019): Orthoptera community shifts in response to land-use and climate change – Lessons from a long-term study across different grassland habitats. Biological Conservation 236: 315–323. doi.org/10.1016/j.biocon.2019.05.058