Thomas Fartmann | Biodiversität und Landschaftsökologie

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Aktuelles

Umweltministerium NRW fördert Literaturstudie zum Insektensterben

Wildbienen, Insektensterben, Bestäubungsökologie
Schmuckbiene (Epeoloides coecutiens)

[16. M√§rz 2018] Das Ministerium f√ľr Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) f√∂rdert eine Literaturstudie zur Untersuchung der Ursachen des Artensterbens und Biomasseverlustes bei Insekten. In Nordrhein-Westfalen werden aktuell 55 % der Schmetterlinge, 52 % der Wildbienen und Wespen, 48 % der Heuschrecken und 45 % der Libellen auf der Roten Liste der gef√§hrdeten Pflanzen, Pilze und Tiere des Landes NRW gef√ľhrt. Durch langj√§hrige Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld konnte empirisch belegt werden, dass die Fluginsekten-Biomasse in Nordrhein-Westfalen seit 1989 um bis zu 80 % abgenommen hat. Insekten nehmen eine Schl√ľsselfunktion in √Ėkosystemen ein. Einerseits leisten sie durch die Best√§ubung von Bl√ľtenpflanzen, darunter auch viele Nutzpflanzen, unverzichtbare √Ėkosystemdienstleistungen. Dar√ľber hinaus sind sie eine bedeutende Nahrungsquelle f√ľr viele Vogelarten. Das massive Insektensterben hat somit weitreichende Folgen f√ľr die Stabilit√§t der √Ėkosysteme Mitteleuropas. Vor diesem Hintergrund besteht dringender Handlungsbedarf, dem Verlust der Insekten entgegenzusteuern. Um gezielte Ma√ünahmen einleiten zu k√∂nnen, m√ľssen zuvor die bestehenden Wissensl√ľcken √ľber die Gr√ľnde des R√ľckgangs der Insekten geschlossen werden. Im Rahmen der nun gef√∂rderten Literaturstudie wird ein umfassender, √∂kosystem√ľbergreifender √úberblick √ľber die vielf√§ltigen Ursachen des Insektensterbens erarbeitet. Die Ergebnisse der Recherchen sollen den wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Arten- und Biomasseverlust der Insekten verbessern und dienen als Diskussionsgrundlage f√ľr politische Entscheidungstr√§ger.

Klimawandel beg√ľnstigt Besiedlung von Steinbr√ľchen durch gef√§hrdete Heuschreckenart

Steinbruch,Sukzession,Naturschutz,gefährdte Arten
Steinbr√ľche – Hotspots der biologischen Vielfalt

[26. Januar 2018] Der rezente Klimawandel beg√ľnstigt die Ausbreitung w√§rmeliebender Heuschreckenarten in Mitteleuropa. Durch den Mangel geeigneter Lebensr√§ume in intensiv genutzten Landschaften konnten spezialisierte und gef√§hrdete Arten aber bisher kaum von dieser Entwicklung profitieren. Die Ergebnisse einer in der Fachzeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung publizierten Studie belegen jedoch, dass die aktuelle Besiedlung von Kalksteinbr√ľchen in der Westf√§lischen Bucht durch die w√§rmeliebende Blaufl√ľgelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Folge des klimawandelbedingten Temperaturanstiegs ist. Die Ausbreitung der stark gef√§hrdeten Art f√§llt in eine Periode, die durch deutlich h√∂here Temperaturen im Vergleich zum langj√§hrigen Mittel gekennzeichnet ist. Diese Bedingungen f√∂rdern die Larvalentwicklung und Ausbreitungsf√§higkeit der Art. Im Gegensatz dazu gibt es aus den letzten Jahrzehnten keine Hinweise f√ľr eine Zunahme geeigneter Habitate in der Westf√§lischen Bucht. Schl√ľsselfaktoren f√ľr die Besiedlung der untersuchten Steinbr√ľche waren erstens eine ausreichende Fl√§che an Pioniervegetation und zweitens eine geringe Entfernung zu den s√ľdwestlich gelegenen Quellpopulationen im Ruhrgebiet. Steinbr√ľche stellen in der heute intensiv genutzten Landschaft Mitteleuropas wichtige Lebensr√§ume f√ľr den Schutz der Biodiversit√§t dar. Aufgrund der sehr geringen Sukzessionsgeschwindigkeit sind Steinbr√ľche auch nach Einstellung des Gesteinsabbaus oft f√ľr Jahrzehnte durch das Vorkommen fr√ľher Sukzessionsstadien mit ihren typischen Artengemeinschaften gekennzeichnet und sollten deshalb verst√§rkt im Fokus des Naturschutzes stehen.

Kettermann, M. & T. Fartmann (2018): Auswirkungen des globalen Wandels auf Heuschrecken – Besiedlung von Steinbr√ľchen der Westf√§lischen Bucht (NW-Deutschland) durch die Blaufl√ľgelige Sandschrecke. Naturschutz und Landschaftsplanung 50 (1): 23–29.

Regenr√ľckhaltebecken f√∂rdern Libellendiversit√§t im urbanen Raum

Libellen, Odonata, Ischnura pumilio, Biodiversität
Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio)

[12. Januar 2018] Die weltweit starke Zunahme urbanisierter Fl√§chen ist eine ernstzunehmende Gef√§hrdungsursache f√ľr die biologische Vielfalt. Umso bedeutender ist es, den negativen Folgen der Urbanisierung entgegenzuwirken. Die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung im Rahmen des Promotionsvorhabens von unserer Doktorandin Lisa Holtmann belegen in diesem Zusammenhang, dass Regenr√ľckhaltebecken positive Auswirkungen auf die Biodiversit√§t im urbanen Raum haben k√∂nnen. Bei den untersuchten Gew√§ssern handelt es sich um neuartige √Ėkosysteme, die zum Hochwasserschutz im suburbanen Raum angelegt wurden, wohingegen die zum Vergleich herangezogenen Kontrollgew√§sser meist in der umgebenden Agrarlandschaft lagen. An Regenr√ľckhaltebecken konnten im Vergleich zu den Kontrollgew√§ssern im Mittel h√∂here Artenzahlen und h√∂here Libellenabundanzen nachgewiesen werden. Dabei waren insbesondere gef√§hrdete Arten verst√§rkt an den Regenr√ľckhaltebecken anzutreffen. Durch das regelm√§√üige Management der Regenr√ľckhaltebecken wiesen diese in der Regel eine gute Habitatqualit√§t auf, wohingegen die Kontrollgew√§sser beispielsweise durch ein ung√ľnstigeres Mikroklima und eine h√∂here Phosphatkonzentration gekennzeichnet waren. Aufgrund dieser Tatsache spielen Regenr√ľckhaltebecken trotz der geringen landschaftlichen Qualit√§t in der Umgebung eine wichtige Rolle als Libellenlebensraum. Folglich kann den untersuchten Regenr√ľckhaltebecken eine gro√üe Bedeutung f√ľr den Artenschutz in St√§dten beigemessen werden. Die Studie wurde im Rahmen des Promotionsstipendienprogramms der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef√∂rdert und wurde nun erfolgreich in der internationalen Fachzeitschrift Ecological Engineering publiziert:

Holtmann, L., Juchem, M., Br√ľggeshemke, J., M√∂hlmeyer, A. & T. Fartmann (2018): Stormwater ponds promote dragonfly (Odonata) species richness and density in urban areas. Ecological Engineering. (in press)

Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt bewilligt

Heuschrecken, Orthoptera, Arcyptera fusca, Biodiversität
Große Höckerschrecke (Arcyptera fusca)

[20. Dezember 2017] Als Projekttr√§ger des Bundesprogramms Biologische Vielfalt f√∂rdert das Deutsche Zentrum f√ľr Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesamtes f√ľr Naturschutz (BfN) den Aufbau eines Onlineportals f√ľr Heuschrecken. Dieses Teilvorhaben im Rahmen des Projektes „Werkzeuge zur Erfassung biologischer Beobachtungsdaten in Deutschland (WerBeo) “ wird von uns in Kooperation mit der Universit√§t Rostock umgesetzt. Der Aufbau des Onlineportals f√ľr Heuschrecken hat zum Ziel, deutschlandweite Beobachtungsdaten einer weiteren naturschutzrelevanten Artengruppe der wissenschaftlichen √Ėffentlichkeit verf√ľgbar zu machen. Dabei wird ein zentrales, innovatives Informationssystem entwickelt, welches den Nutzern erm√∂glicht biologische Beobachtungsdaten online einzugeben und einzusehen. Derartige Beobachtungsdaten stellen unverzichtbare Informationen dar, anhand derer die Entwicklung der Biodiversit√§t auf regionaler und nationaler Ebene wissenschaftlich dokumentiert und ausgewertet werden kann. Derzeit sind beispielsweise √ľber 40 % der in Deutschland nachgewiesenen Heuschreckenarten durch anthropgen bedingte Ver√§nderungen in der Landnutzung gef√§hrdet. Gleichzeitig konnten in Deutschland im Zuge des Klimawandels in der j√ľngeren Vergangenheit jedoch teils massive Ausbreitungen w√§rmeliebender Heuschreckenarten nachgewiesen werden. Beobachtungsdaten, die diese Entwicklungen belegen, wurden bisher aber h√§ufig dezentral erfasst. Die aufgezeigten √∂kologischen Ver√§nderungen verdeutlichen die Relevanz einer zentralen Datenplattform f√ľr Heuschrecken mit dem Ziel einer verbesserten Dokumentation von Biodiversit√§tsdaten in Deutschland.

Weihnachtsbaumkulturen im Sauerland haben gro√üe Bedeutung f√ľr Rote-Liste-Arten

Rote-Liste-Arten, Goldammer, Weihnachtsbaumkulturen
Goldammer (Emberiza citrinella)

[04. Dezember 2017] Der systematische Anbau von Weihnachtsb√§umen in Mitteleuropa ist ein recht junges Ph√§nomen. Aktuell betr√§gt die Anbaufl√§che von Weihnachtsb√§umen im Sauerland, dem wichtigsten europ√§ischen Anbaugebiet, etwa 18.000 ha. Im Rahmen einer aktuellen Studie haben wir umfassend untersucht, wie es um die Avifauna dieses neuartigen √Ėkosystems steht. Die Ergebnisse belegen deutlich, dass Weihnachtsbaumkulturen in der intensiv genutzten Landschaft des Sauerlandes einen hohen Wert als Lebensraum f√ľr gef√§hrdete Brutvogelarten haben. Im Vergleich zu konkurrierenden Landnutzungstypen, wiesen Weihnachtsbaumkulturen gemeinsam mit Windwurffl√§chen die gr√∂√üte Diversit√§t und die h√∂chsten Dichten gef√§hrdeter Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens auf. So konnten f√ľr die Rote-Liste-Arten Goldammer, Fitis, Bluth√§nfling, Heidelerche und Baumpieper mitunter hohe Dichten in den Weihnachtsbaumkulturen nachgewiesen werden. Im Fall der Heidelerche sind die Vorkommen in Weihnachtsbaumkulturen sogar von landesweiter Bedeutung. Ein Beitrag im aktuellen Heft des Journals f√ľr Vogelbeobachter – Der Falke liefert eine anschauliche Zusammenfassung der Ergebnisse unserer Untersuchungen. Die Studie wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef√∂rdert.

Fartmann, T., K√§mpfer, S. & F. L√∂ffler (2017): Wichtige Bruthabitate f√ľr Rote-Liste-Arten: Weihnachtsbaumkulturen im Hochsauerland. Der Falke 64 (12): 20–23.

Veränderung der Wirtspflanzenqualität fördert zwei häufige Tagfalterarten Mitteleuropas

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Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

[06. November 2017] Ein aktuell publizierter Artikel in der internationalen Fachzeitschrift Acta Oecologica belegt, dass Schmetterlingsarten die sich von Brennnesselgew√§chsen ern√§hren, von der exzessiven Stickstoffanreicherung in landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaften profitieren k√∂nnen. Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) und das Tagpfauenauge (Aglais io) z√§hlen zu den wenigen Schmetterlingsarten, die trotz der massiven √∂kologischen Ver√§nderungen im Zuge des Landnutzungswandels in Mitteleuropa weiterhin sehr h√§ufig sind. In der experimentellen Studie, die in Kooperation mit der Universit√§t Potsdam federf√ľhrend von unserer externen Masterstudierenden Susanne Kurze durchgef√ľhrt wurde, konnte gezeigt werden, dass Individuen beider Arten an ged√ľngten Wirtspflanzen durch h√∂here √úberlebensraten, eine schnellere Larvalentwicklung, sowie ein h√∂heres Gewicht der Puppen gekennzeichnet waren. Die Imagines von Aglais io wiesen zudem l√§ngere Vorderfl√ľgel auf. Die Auswirkungen der D√ľngung erh√∂hen somit die √úberlebenswahrscheinlichkeit und das Reproduktionspotenzial beider Schmetterlingsarten. Unsere Ergebnisse legen dar, dass sich nicht nur die Ausbreitung von Brennnesseln durch die zunehmende Eutrophierung, sondern auch Ver√§nderungen in der Wirtspflanzenqualit√§t positiv auf die mitteleurop√§ischen Best√§nde der beiden Tagfalterarten auswirken k√∂nnen.

Kurze, S., Heinken, T. & T. Fartmann (2017): Nitrogen enrichment of host plants has mostly beneficial effects on the life-history traits of nettle-feeding butterflies. Acta Oecologica 85: 157–164. doi: doi.org/10.1016/j.actao.2017.11.005

Positives Fazit nach Besuch der Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G)

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Alte Eichenallee in der extensiv genutzten Agrarlandschaft der Prignitz

[06. Oktober 2017] Franz L√∂ffler wurde auf der 150. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) f√ľr seinen Tagungsbeitrag „Auswirkungen der Landschafts- und Vegetationsstruktur auf eine stark gef√§hrdete Vogelart der Agrarlandschaft“ mit dem 3. Preis im Jungreferenten-Wettbewerb ausgezeichnet. Die diesj√§hrige Jubil√§umstagung fand unter dem Motto „Ornithologie – von der Vergangenheit in die Zukunft“ in Halle (Saale) statt. Viele Tagungsbeitr√§ge besch√§ftigten sich mit den Auswirkungen des Landnutzungswandels und des Ausbaus regenerativer Energiequellen auf die mitteleurop√§ische Avifauna. Dabei zeigen die dramatischen Bestandseinbr√ľche der Feldv√∂gel in Mitteleuropa exemplarisch auf, welche Folgen die fortw√§hrende Intensivierung der Landwirtschaft f√ľr die Biodiversit√§t in Agrarlandschaften hat. Mit dem Beitrag zu den Habitatpr√§ferenzen des Ortolans (Emberiza hortulana) konnte die zwingende Notwendigkeit agrarpolitischer Ma√ünahmen f√ľr eine naturschutzgerechte, zukunftsf√§hige und sozial-gerechte Landwirtschaft noch einmal unterstrichen werden. Gleichzeitig konnte Steffen K√§mpfer mit seinem Tagungsbeitrag zur Bedeutung von „Weihnachtsbaumkulturen als Ersatzlebensraum f√ľr bedrohte Vogelarten der Agrarlandschaft“ in bemerkenswerter Weise verdeutlichen, dass auch intensiv genutzte, neuartige √Ėkosysteme wie Weihnachtsbaumkulturen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversit√§t leisten k√∂nnen. Aufgrund des geringen √∂kologischen Kenntnisstandes der Aviz√∂nosen dieses Lebensraums und der aus Sicht des Vogelschutzes √ľberraschend positiven Ergebnisse wurden wir im Anschluss an seinen Tagungsbeitrag dazu eingeladen unsere Forschungsergebnisse in einem Beitrag im Journal f√ľr Vogelbeobachter – Der Falke einer breiten √Ėffentlichkeit zug√§nglich zu machen.

Habitatqualit√§t, Fl√§chengr√∂√üe und Konnektivit√§t – Grundlagen f√ľr einen erfolgreichen Artenschutz

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Kurzfl√ľgelige Bei√üschrecke (Metrioptera brachyptera)

[04. September 2017] Ein aktuell erschienener Artikel in der Fachzeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung liefert einen umfassenden √úberblick, welche Faktoren f√ľr einen erfolgreichen Artenschutz ber√ľcksichtigt werden m√ľssen. Der Landnutzungswandel ist verantwortlich f√ľr Degradierung, Verlust und Fragmentierung vieler Habitate Mitteleuropas mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversit√§t. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht der Artikel, dass sowohl die Habitatqualit√§t als auch Fl√§chengr√∂√üe und Konnektivit√§t dar√ľber entscheiden, ob die Artenvielfalt langfristig erhalten werden kann. Zudem steht der Klimawandel zunehmend im Fokus des Naturschutzes. Beispielsweise werden f√ľr die Kurzfl√ľgelige Bei√üschrecke (Metrioptera brachyptera) und den Schl√ľsselblumen-W√ľrfelfalter (Hamearis lucina) infolge des erh√∂hten Austrocknungsrisikos in Kalkmagerrasen starke Bestandseinbr√ľche prognostiziert. Auch wenn Metrioptera brachyptera √ľber l√§ngere Zeit in stark isolierten Habitaten √ľberdauern kann, ist zuk√ľnftig mit einem weiteren R√ľckgang der Art zu rechnen, da die Larvalentwicklung der Art an eine ausreichende Feuchtigkeit in ihren Habitaten gekn√ľpft ist. Aufgrund des hohen Vertrocknungsrisikos der Wirtspflanze Primula veris im Fr√ľhjahr, sind auch die Vorkommen von Hamearis lucina in den Kalkmagerrasen einiger Regionen Mitteleuropas zunehmend bedroht. Auch wenn die Art bedingt in der Lage ist durch Risikostreuung bei der Eiablage auf diese Gefahr zu reagieren, wird eine Anpassung an die zuk√ľnftigen Klimabedingungen durch die geringe Mobilit√§t der Art und fehlende Ausweichhabitate stark eingeschr√§nkt. Folglich sollte der Naturschutz in Zeiten des globalen Wandels in seinen Bem√ľhungen zum Arten- und Biotopschutz auf eine Erh√∂hung der Habitatqualit√§t und -heterogenit√§t innerhalb der Habitate, eine Vergr√∂√üerung der Fl√§chengr√∂√üe und eine Verbesserung der Konnektivit√§t abzielen.

Fartmann, T. (2017): √úberleben in fragmentierten Landschaften – Grundlagen f√ľr den Schutz der Biodiversit√§t Mitteleuropas in Zeiten des globalen Wandels. Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (9): 277–282.

Heuschrecken profitieren von traditioneller Landnutzung in Buckelwiesen

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Buckelwiese in den Bayerischen Kalkalpen

[16. August 2017] Die traditionelle Landnutzung hat in Mitteleuropa erheblich zur Entstehung artenreicher √Ėkosysteme beigetragen. Die Buckelwiesen im bayerischen Alpenraum sind Zeugnis einer √ľber Jahrhunderte fortw√§hrenden Heuwiesennutzung und weisen zudem geomorphologisch bedingt eine hohe Habitatheterogenit√§t auf. Durch die j√§hrliche Sensenmahd und den Verzicht auf D√ľngemittel, haben sich auf den Buckelfluren artenreiche Lebensgemeinschaften etabliert, die hervorragend an die n√§hrstoffarmen Standortbedingungen angepasst sind. Jedoch ist im Laufe des letzten Jahrhunderts in Folge von Aufforstung oder Einebnung der Buckelwiesen die Ausdehnung dieses Lebensraumtyps im Alpenraum um √ľber 95% geschrumpft. Die verbliebenen Fl√§chen haben jedoch bis heute eine herausragende Bedeutung f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t und sind charakteristischer Bestandteil der Kulturlandschaft im n√∂rdlichen Alpenraum. Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung konnte nun gezeigt werden, dass Heuschrecken von der Heterogenit√§t der Buckelwiesen und der traditionellen Bewirtschaftung profitieren. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insbesondere das Vorkommen gef√§hrdeter Arten von der Mahdnutzung beg√ľnstigt wird. Aber auch kurzfristig brachgefallene Best√§nde, die nur in unregelm√§√üigen Abst√§nden genutzt werden, f√∂rdern die Diversit√§t der Buckelwiesen. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen damit die Bedeutung des Fortbestands der traditionellen Landutzung f√ľr den Erhalt der Artenvielfalt in dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment ver√∂ffentlicht:

L√∂ffler, F. & T. Fartmann (2017): Effects of landscape and habitat quality on Orthoptera assemblages of pre-alpine calcareous grasslands. Agriculture, Ecosystems and Environment 248: 71–81. doi: 10.1016./j.agee.2017.07.029

Masterabsolventin mit Jacob-Jacobi-Preis f√ľr besten Studienabschluss geehrt

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Preisträgerin Susanne Kurze und Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus)

[08. August 2017] Mit dem Jacob-Jacobi-Preis wird allj√§hrlich der beste Studienabschluss an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakult√§t der Universit√§t Potsdam ausgezeichnet. Der diesj√§hrige Preis wurde an unsere externe Masterabsolventin Susanne Kurze verliehen. Susanne Kurze hat ihr Masterstudium in √Ėkologie, Evolution und Naturschutz an der Universit√§t Potsdam mit der Bestnote abgeschlossen. In ihrer Masterarbeit mit dem Titel „More losers than winners – Response of common butterflies and moths to host plant fertilisation“ untersuchte sie den Einfluss von landwirtschaftlich ged√ľngten Futterpflanzen auf verschiedene, in Mitteleuropa weit verbreitete Schmetterlingsarten. Der untersuchte Zusammenhang fand in der Wissenschaft bisher kaum Ber√ľcksichtigung, obwohl die Abh√§ngigkeit der Schmetterlinge von der Qualit√§t ihrer Wirtspflanzen seit Langem bekannt ist. In ihren Untersuchungen konnte sie zeigen, dass die Entwicklung der Mehrheit der untersuchten Schmetterlinge durch die D√ľngung negativ beeinflusst wird. Dies gilt insbesondere f√ľr Arten die sich von Gr√§sern oder Sauerampfer ern√§hren. So zeigten z.B. die Raupen des Braunen Feuerfalters (Lycaena tityrus) bereits bei einer D√ľngermenge von unter 100 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr erh√∂hte Mortalit√§tsraten. Da die Stickstoffraten in Mitteleuropa vielerorts √ľber diesem Wert liegen, kann mit diesem Zusammenhang eine Ursache f√ľr den R√ľckgang der Art in Mitteleuropa belegt werden. Positive Effekte waren lediglich f√ľr Arten die sich von Brennnesselgew√§chsen ern√§hren zu verzeichnen. Die drastische Zunahme der atmosph√§rischen Stickstoffeintr√§ge infolge der landwirtschaftlichen Intensivierung, gilt als eine der Hauptgef√§hrdungsursachen f√ľr die Biodiversit√§t und verschiedene √Ėkosystemfunktionen. Das Thema der Arbeit hat damit eine hohe Relevanz f√ľr den Erhalt der biologischen Vielfalt in intensiv genutzten Agrarlandschaften.

Buddeln für die Artenvielfalt – Ökosystemingenieure fördern die Biodiversität im Grasland

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Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)

[03. August 2017] Das Vorkommen vieler konkurrenzschwacher und thermophiler Arten im Grasland ist an das Vorhandensein geeigneter Mikrohabitate mit einem hohen Offenbodenanteil gekoppelt. Beispielsweise nutzen viele Schmetterlingsarten Offenbodenhabitate bevorzugt als Larvalhabitat, da derartige Strukturen ein g√ľnstiges Mikroklima aufweisen und gleichzeitig das Vorkommen der Wirtspflanzen f√∂rdern. Jedoch ist im produktiven oder verbrachten Grasland häufig ein Mangel an solchen Störstellen festzustellen, sodass die Bestände störungsabhängiger Arten in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten teils drastisch zurückgegangen sind. Häufig stellen in solchen Beständen die von bodenstörenden Ökosystemingenieueren, wie z.B. Ameisen und Maulwürfen, geschaffenen Störstellen die einzigen Offenbodenhabitate dar. Deshalb ist der Einfluss dieser Organismen auf die Biodiversität von besonderem Interesse. Im Rahmen mehrerer aktueller Studien konnte am Beispiel von Pflanzen und Schmetterlingen die besondere Bedeutung der √Ėkosystemingenieure f√ľr die Artenvielfalt in mitteleurop√§ischen Grasland-√Ėkosystemen aufgezeigt werden. Ein aktuell erschienener Artikel in der wissenschaftlichen Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung gibt einen umfassenden √úberblick √ľber die Ergebnisse der Untersuchungen.

Streitberger, M. & T. Fartmann (2017): Bodenst√∂rende √Ėkosystem-Ingenieure im mitteleurop√§ischen Grasland und ihre Bedeutung f√ľr die Biodiversit√§t. Eine Analyse am Beispiel der Gelben Wiesenameise und des Europ√§ischen Maulwurfs. Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (8): 252–259.

Homepage zur nachhaltigen Renaturierung von Kalkmagerrasen geht online

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Artenreiche Schlagflur im Projektgebiet (Diemeltal)

[18. Juli 2017] Auf der Projekthomepage des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens: „Nachhaltige Renaturierung von Kalkmagerrasen in Zeiten des Globalen Wandels“ informieren wir Sie ab sofort regelmä√üig √ľber unsere projektbezogenen Forschungstätigkeiten. In dem Vorhaben, das vom Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums f√ľr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert wird, sollen in Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern zahlreiche Kalkmagerrasen renaturiert und die Auswirkungen der Ma√ünahmen mit modernen wissenschaftlichen Methoden evaluiert werden. Dabei erproben und entwickeln wir in unserem Projektgebiet Verfahren, die auch in anderen Gebieten erfolgreich angewandt werden können. Aktuell f√ľhren wir ökologische Untersuchungen durch, deren Ergebnisse als Grundlage f√ľr die nachfolgenden Renaturierungsma√ünahmen dienen sollen. Unter anderem wird dabei anhand verschiedener Indikatorgruppen die Entwicklung bereits entbuschter Kalkmagerrasen evaluiert. Damit die Auswirkungen der Renaturierungsma√ünahmen bewertet werden k√∂nnen, ist es zudem wichtig den Zustand der Flora und Fauna vor Durchf√ľhrung der Ma√ünahmen zu kennen. Deshalb wird in der Vorstudie der Ist-Zustand der zu renaturierenden Probeflächen erfasst. Als Untersuchungsobjekte dienen dabei Pflanzen, Tagfalter, Heuschrecken und Zikaden.

Neue Studie √ľber Zikaden unterstreicht die Bedeutung der Strukturvielfalt in Silikatmagerrasen

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Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata)

[24. Juni 2017] Die Grasland-√Ėkosysteme Europas sind in zunehmendem Ma√üe gef√§hrdet. Insbesondere die landwirtschaftliche Intensivierung, aber auch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen haben in Mitteleuropa zu einem gravierenden R√ľckgang der Artenvielfalt gef√ľhrt. Jedoch bestehen gleichzeitig f√ľr einige Artengruppen erhebliche Wissensdefizite, welche Umweltfaktoren die Diversit√§tsmuster entscheidend beeinflussen. Der Wissensstand √ľber die √Ėkologie von Zikaden ist bis heute unzureichend. Diese Modellgruppe eignet sich aufgrund ihres Artenreichtums und ihrer sehr spezifischen Umweltanspr√ľche jedoch hervorragend f√ľr naturschutzfachliche Bewertungen. Im Rahmen unserer Untersuchungen konnten wir nun zeigen, dass sich die Habitatheterogenit√§t und die Strukturvielfalt der umgebenden Landschaft positiv auf die Artenzahl der Zikaden in Silikatmagerrasen auswirken. Im Gegensatz dazu wiesen die Habitate, die zu einem gr√∂√üeren Anteil von √Ąckern umgeben sind, eine geringere Artenvielfalt auf. Die Ergebnisse unserer Untersuchungen unterstreichen damit die Bedeutung strukturreicher Kulturlandschaften f√ľr den Erhalt der Biodiversit√§t in Mitteleuropa. Die Studie ist in der internationalen Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment erschienen:

Helbing, F., Fartmann, T., Löffler, F. & D. Poniatowski (2017): Effects of local climate, landscape structure and habitat quality on leafhopper assemblages of acidic grasslands. Agriculture, Ecosystems and Environment 246: 94–101. doi: 10.1007/s11252-017-0677-y

Amphibien profitieren von Regenr√ľckhaltebecken im urbanen Raum

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Laubfrosch (Hyla arborea)

[28. Mai 2017] Die Urbanisierung gilt als eine der Hauptursachen f√ľr den globalen Biodiversit√§tsverlust und hat zu einem R√ľckgang vieler Amphibienarten beigetragen. In einer nun ver√∂ffentlichten Studie wurde untersucht, ob sich urbane Regenr√ľckhaltebecken als Habitat f√ľr Amphibien eignen. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Gew√§sser trotz ihrer oft stark isolierten Lage g√ľnstige Habitatbedingungen f√ľr Amphibien bereitstellen. Durch das regelm√§√üige Management der Regenr√ľckhaltebecken bieten diese gute Voraussetzungen f√ľr die Larvalentwicklung der Arten. Zum langfristigen Erhalt der Amphibienpopulationen in urbanen Gebieten, sollte jedoch eine Erh√∂hung der Konnektivit√§t der Gew√§sser angestrebt werden. Unter diesen Voraussetzungen k√∂nnen Regenr√ľckhaltebecken einen wichtigen Beitrag f√ľr den Biodiversit√§tsschutz in St√§dten leisten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Urban Ecosystems erschienen:

Holtmann, L., Philipp, K., Becke, C. & T. Fartmann (2017): Effects of habitat and landscape quality on amphibian assemblages of urban stormwater ponds. Urban Ecosystems 20: 1249–1259. doi: 10.1007/s11252-017-0677-y